Das Nazifest in Gera wurde von seinen Anhängerinnen und Anhängern mit ca. 1000 Personen verhältnismäßig schlecht besucht. Dagegen kamen zahlreiche Protestierende aus anderen Städten bei nur wenig vertretenen Bürgerinnen und Bürger aus Gera selbst.
Postiv zu vermerken ist, dass das Neonazi-Fest das erste Mal als Problem in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Die Gegenproteste seien in Teilen ein Erfolg gewesen, da das Neonazi-Fest zwar nicht verhindert, aber dennoch deutlich behindert wurde, so ein Vertreter des Vorbereitungskreises des Protestes. Nach offiziellen Angaben nahmen ca. 1000 Menschen an den Gegenprotesten teil, von dem ein großer Teil aus anderen Städten wie Jena, Weimar, Dresden oder Berlin anreiste.
Das Bürger.Courage-Projekt „18 Stiche“, das sich gegen Alltagsrassismus und Fremdenhass richtet, wurde in den letzen Tagen von Unbekannten zum Teil zerstört
Aus unserer Pressemitteilung vom 22.Juli 2010:
"Auf dem Altmarkt und der Prager Straße wurden in den letzten Tagen zwei Betonstelen der Kunstaktionen „18 Stiche“ des Vereins Bürger.Courage (in Kooperation mit dem Künsler Johannes Köhler) umgeschmissen und beschädigt. An den Stelen festgeschraubte Infotafeln, die auf die antirechtsextremistische Intention des Projekts hinweisen, wurden abmontiert und entwendet. Bürger.Courage geht daher von einer mutwilligen, politisch motivierten Zerstörungsabsicht aus. Der Verein wird Anzeige bei der Polizei erstatten. „Zur Mahnung gegen Alltagsrassismus werden wir die zerstörten Installationen bis zum Ende des Projekts nicht wieder aufrichten. Wir werden das Projekt aber fortführen“, so Vereinsvorsitzender Christian Demuth zu den Vorkommnissen. „18 Stiche“ ist ein seit dem 1. Juli laufendes Projekt gegen Alltagsrassismus und Fremdenhass. Über ganz Dresden verteilt sollen insgesamt 18 stilisierte Messer aus Beton aufgestellt werden. Diese stehen stellvertretend für die vielen kleinen und großen Stiche und Verletzungen, die Menschen in unserer Stadt durch Alltagsrassismus erleiden. Anlass war der erste Todestag von Marwa Ali El-Sherbini, die am 1. Juli 2009 während einer Verhandlung im Landgericht Dresden aus rassistischen Gründen mit 18 Messerstichen ermordet wurde. Bürger.Courage bemüht sich derzeit um eine Verlängerung der Aktion."
Auf Europas größtem Nazifestival „Rock für Deutschland“ ist leider wieder mit Tausenden von Neonazis zu rechnen - erst recht, nachem ihnen ein erfolgreicher "Trauermarsch" in Dresden genommen wurde. Doch eine zivilgesellschaftlich organisierte Kampagne bereitet einen Großprotest vor. Infos lesen und dann auf nach Gera!
Hintergründe
Seit nunmehr acht Jahren ereignet sich im Dreiländereck von Thüringen, Sachsen und Sachsen- Anhalt, inmitten der Otto-Dix Stadt Gera, Europas größtes Nazifestival „Rock für Deutschland“, zeitweilig auch unter dem Label „Rock gegen Krieg“ firmierend. Zog dieses faschistische Spektakel 2003 nur knapp über 100 Besucher_innen an, etablierte es sich über die Jahre stetig zum Pilgerort mittlerweile auch europaweit anreisender Neonazis. Den bisherigen beängstigenden Höhepunkt fand das spektrenübergreifende Ereignis im letzten Jahr mit einer Besucher_innenzahl von über 4.000 bei gerade einmal 600 Gegendemonstrant_innen. Dank entschlossener Proteste gegen das einstige neonazistische Megaevent „Fest der Völker“ in Jena konzentriert sich die Neonaziszene nun darauf, zum „Rock für Deutschland“ in Gera zu mobilisieren. Es hat sich damit zu einer der größten Naziveranstaltungen nach 1945 entwickelt.
Welche Bedeutung hat ein entschlossener Protest gegen das Nazifest in Gera?
Es ist wahrscheinlich, dass man sich in der Nazi-Szene angesichts der genommenen faschistischen Großdemos und Jahrestage auf das vermeintlich einfachere und harmloser daherkommende subkulturelle Feld der Blood&Honour-Konzerte fokussiert, um ausgefallene Integrationsereignisse wie den Dresdener Trauermarsch zu kompensieren. Daher stellt das Nazifest in Gera ein wichtiges Ereignis dar, dessen Duldung demokratische Bürgerinnen und Bürger nicht hinnehmen sollten. Wenn an den Erfolg von Dresden am 13. Februar auch in Gera angeknüpft werden kann, stärkt das nicht nur eine demokratische Zivilgesellschaft, sondern trägt dazu bei, dass auch Nazis irgendwann keinen Sinn mehr in der Mobilisierung und Durchführung ihrer ideologischen Mega-Events sehen.
Welche Proteste gegen das Nazifest sind geplant?
Es wird verschiedene Kundgebungen rund um die so genannte Spielwiese (Ort des Nazifestes) geben. Angemeldet sind diese Kundgebungen von Landtagsabgeordneten der Parteien die Linke, Vertreterinnen der Jusos und der Gewerkschaften. Das Bündnis Dresden-Nazifrei, ohne das zum 13. Februar 2010 in Dresden keine erfolgreiche Blockade des Naziaufmarschs zustande gekommen wäre, unterstützt die Kampagne gegen Europas größtes Nazifest. Laut der Einschätzung des Bündnisses Dresden-Nazifrei ist 2010 ein entscheidendes Jahr für der Etablierung einer breiten, friedlichen Protestkultur gegen faschistische Großereignisse. Dresden und der 1. Mai hat es an verschiedenen Orten gezeigt. Der 10. Juli in Gera könnte folgen.
Warum sollten wir Dresdnerinnen und Dresdner nach Gera fahren?
Nicht wenige Thüringerinnen und Thüringe waren am 13. Februar in unserer Stadt und blockierten mit uns friedlich und erfolgreich die Nazis. Nun gilt es, auch mit den Bürgerinnen und Bürger Geras Solidarität zu zeigen! Denn wer möchte schon im Juli daran denken müssen, dass wir am Anfang dieses Jahres soviel Energie eingebracht haben, um Europas größten Naziaufmarsch zu verhindern, um dann zuzusehen, wie die Faschisten in Gera unbehelligt mal eben ein riesiges Nazifest und Vernetzungstreffen in Gera veranstalten?! Deshalb: auf nach Gera!
Dafür stellte die Initiative einen Antrag beim Dresdner Stadtrat, der allerdings auf eine Entscheidung warten lässt. Während der Ausländerbeirat bereits mehrheitlich für den Antrag stimmte, ist die CDU noch damit beschäftigt, Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten, wodurch die vorangehende Entscheidung des Sozialausschusses, die für den 24. Juni vorgesehen war, verschoben werden musste. Was genau sind eigentlich Hintergrund Inhalt des Antrages?
Bisher muss die Mehrheit der Dresdner Asylbewerber_innen und geduldeten Flüchtlinge in Heimen wohnen. Die Kampagne gegen Ausgrenzung von Asylbewerber_innen (www.gegenausgrenzung. de) fordert, dass diese Leute ganz normal dezentral in Wohnungen leben dürfen.
Auf der Unterstützerliste des Stadtratantrages der Kampagne befinden sich zahlreiche Vereine, Initiativen, Gewerbetreibende und bekannte Persönlichkeiten aus Dresden.
Hier ein Ausschnitt aus dem Antrag für die Ausweitung der dezentralen Unterbringung von Asylsuchenden und geduldeten MigrantInnen:
"Derzeit leben in Dresden noch 367 Personen, darunter 49 Kinder zentral in Übergangswohnheime. Dresden als kreisfreie Stadt und somit als untere Unterbringungsbehörde ist für die Entscheidung über die Art der Unterbringung zuständig. Der Landeshauptstadt obliegt mithin die Auslegung der vom Gesetzgeber gebotenen Ermessensspielräume. In Dresden werden AsylbewerberInnen, Geduldete sowie MigrantInnen mit einer Aufenthaltserlaubnis nach §25 überwiegend in zentralen Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Die Kommune beruft sich bei dieser Praxis auf § 53 Absatz (1) Satz 1 des Asylverfahrensgesetzes (AsylVfG). Darin heißt es: "Ausländer, die einen Asylantrag gestellt haben und nicht oder nicht mehr verpflichtet sind, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, sollen in der Regel in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden. Hierbei sind sowohl das öffentliche Interesse als auch Belange des Ausländers zu berücksichtigen." Für geduldete Migrantinnen und Migranten gilt aber nicht mehr das Asylverfahrens, sondern das Aufenthaltsgesetz (AufenthG) bzw. das Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG). LeistungsempfängerInnen nach §2 AsylbLG (Leistungsbezug nach §3 AsylbLG seit mind. 48 Monaten) sind nicht mehr zwingend in Gemeinschaftsunterkünften unterzubringen. Auf diese Gruppe ist das SGB XII entsprechend anzuwenden. . Diese Personen können dezentral untergebracht werden. Im Falle von AsylbewerberInnen kommt das AsylVfG zur Anwendung. Jedoch spricht das Gesetz hier einerseits ausdrücklich von einer Abwägungsmöglichkeit zwischen den öffentlichen Interessen und den Interessen des Ausländers, andererseits werden mit den Formulierungen im §53 „sollen“ und „in der Regel“ gleich an 2 Stellen Ermessenspielräume eingeräumt. Es ist demnach eher zu begründen, worin das öffentliche Interesse an einer Unterbringung in zentralen Heimen besteht, anstatt separat in Einzelfallprüfungen über die Möglichkeit einer Unterbringung einzelner ausländischer Personen zu befinden. Bezüglich der Beachtung des öffentlichen Interesses als auch der Belange des Ausländers muss eine dezentrale Unterbringung angestrebt werden. Einerseits ist die dezentrale Unterbringung von AsylbewerberInnen und anderen MigrantInnen eine wichtige Säule für eine erfolgreiche Integrationsarbeit. Die konzentrierte und isolierte Unterbringung der AsylbewerberInnen verhindert häufig den notwendigen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung und trägt zur Stigmatisierung vor allem dort lebender Kinder und Jugendlicher bei. Zudem ist den Dresdner Bürgern und Bürgerinnen der Einblick in das Alltagsleben der dort lebenden Menschen weitestgehend verwehrt und eine differenziertere Bewertung gegenüber ausländischen Mitbürgern erschwert. Andererseits verbessert eine dezentrale Unterbringung in den allermeisten Fällen die Lebenssituation der benannten MigrantInnen nachhaltig und hilft, die Integrationsfähigkeit dieser Menschen zu erhalten bzw. erst deren Erwerb. Angesichts der langen Dauer mancher Asylverfahren muss hier ein Hauptaugenmerk der Integrationspolitik liegen, denn diese Integrationsfähigkeit ist entscheidend sowohl bei einer möglichen Rückkehr in das Herkunftsland als auch bei einer positiven Aufenthaltsbescheinigung für die Bundesrepublik. Der Erhalt bzw. die Förderung dieser Intergrationsfähigkeiten wird jedoch erschwert bis verhindert, wenn diese Menschen in den Möglichkeiten, ihr Leben selbst bestimmt zu führen, den Lebensalltag selbst zu organisieren, eingeschränkt werden. Auch hinsichtlich des öffentlichen Interesses an sparsamem Wirtschaften erscheint die dezentrale Unterbringung klar von Vorteil: in den beiden „billigsten“ Heimen belaufen sich die monatlichen Kosten pro Person auf 170,50 EURO monatlich (5,50 EURO pro Tag). Sie übersteigen damit den Betrag nach SGB II (154 EURO) deutlich. Dies tut jedoch die derzeitige Praxis, nach der – wie anfangs erwähnt in Dresden AsylbewerberInnen, Geduldete überwiegend in zentralen Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden. In diesen Übergangswohnheimen sind gesetzlich pro Person nur 6m² Wohnfläche vorgeschrieben. Zur Verfügung stehen in Dresden derzeit pro Person ca. 8m². Einzelpersonen – vorwiegend alleinstehende Männer – müssen sich mit fremden Personen Wohnungen teilen. In den Heimen Florastraße 16 und Pillnitzer Landstraße 273 gibt es zudem noch Gemeinschaftsküchen und Sanitärräume. Die Unterbringung in Heimen – auch wenn sie zum Teil wohnungsähnlichen Charakter haben (z.B. Bauhofstraße) – führt zu Entmündigung und Unselbständigkeit. Hinzu kommt ein absoluter Mangel an Rückzugsmöglichkeiten. Kontrollmaßnahmen vermitteln den Betroffenen das Gefühl des Ausgeliefertseins. Diese Umstände verursachen erhebliche Spannungen sowie physische und psychische Beeinträchtigungen. Viele der untergebrachten Flüchtlinge klagen über krankhafte Störungen. Beschwerden über zum Teil körperliche Auseinandersetzungen aufgrund der benannten Zwangsumstände sind ebenfalls bekannt. Die zentrale Unterbringung verschärft den Zustand der ohnehin vorhandenen teilweise jahrelangen Unsicherheit, in dem diese Menschen leben. Sie ist mit der Würde des Menschen und auch grundlegenden Prinzipien des Sozialstaats kaum vereinbar. Aus diesen Gründen forderte die Liga der Freien Wohlfahrtsverbände Hessen bereits im November 1992 „Die eigene Wohnung ist neben der Arbeit, der sozialen, kulturellen und politischen Partizipation ein Grundbedürfnis für ein menschenwürdiges Leben.“ Zahlreiche Bundesländer, aber auch einzelne Kommunen haben sich inzwischen dieser Sichtweise angeschlossen. Während in Dresden die Zahl der dezentral untergebrachten MigrantInnen mit oben benannten Aufenthaltsstatus seit einigen Jahren bei ca. einem Drittel stagniert, liegt deren Anteil in den beiden anderen sächsischen Großstädte bei mehr als 60%. Schaut man über die Landesgrenze hinaus, zeigt sich folgendes Bild: In Hessen leben 66% der Asylbewerber und Geduldeten in Wohnungen, in Niedersachsen 80% und auch in Berlin 80%. Berlin hat bereits 2003 eine Verwaltungsvorschrift zum AsylbLG ausgegeben, wonach die Betroffenen nach Ablauf der 3 Monate Asylverfahren vorrangig in Mietwohnungen unterzubringen sind. Auch einzelne Kommunen haben derartige generelle Lösungen getroffen. Verwiesen sei hier auf Cottbus im Jahre 2000 oder auf Leverkusen im Dezember 2001. Der Begründung der Stadtverwaltung Dresden, gegeben in Beantwortung einer Stadtratsanfrage (AF 0150/09), dass die zentrale Unterbringung die Erreichbarkeit für Behörden und für soziale Betreuung erleichtere, ist schon deswegen zu widersprechen, da dies im Umkehrschluss bedeuten würde, dass alle Einwohner Dresdens an zentralen Orten leben müssten. Im Übrigen erfolgt eine soziale Betreuung nur, wenn durch eine Person Bedarf angemeldet wird, dies sich also selbst an entsprechende Stellen wendet."
Vom 3. bis 10. Juni errichteten wir zwei Kunstinstallationen: die „Deutschlandtafel“ und den Widerstandspacours. Beides kam super an! Daher wollen wir die Installationen weiter wandern lassen: an die Elbe, zum Blauen Wunder und an andere Orte. Wir möchten damit auf die aus unserer Sicht mangelhafte demokratische Kultur in Dresden aufmerksam machen...
Bürger.Courage errichtete in der Dresdner Altstadt zwei Kunstinstallationen, die eine Woche lang zu besichtigen waren und bald auch auch an weiteren Orten aufgebaut werden. Wir möchten damit auf die aus unserer Sicht mangelhafte Demokratie-Kultur in Dresden aufmerksam machen.
Gegenüber der Thalia-Buchhandlung am Dr.-Külz-Ring wurde eine „Deutschland-Tafel“ aufgebaut. An ihr finden rechtsextreme Köpfe, Mitläufer, Widerständler und Opfer Platz, die das „Meinungsbild“ in der Gesellschaft ausdrücken. Die Tafel soll das Ungleichgewicht zwischen rechter Gesinnung und toleranter Gegenpositionen beim Umgang mit Minderheiten und Menschen anderer Kulturen in unserer Gesellschaft aufzeigen. An dieser Tafel und in diesem Land, so die Symbolik, sind nur ganz bestimmte Menschen willkommen und akzeptiert. Auf dem Altmarkt errichtete Bürger.Courage einen „Widerstandsparcours“. Passanten werden dazu aufgefordert, in drei einfachen Schritten Zivilcourage gegen rechtes Denken zu trainieren – durch Kraftausdauer, Selbstbewusstsein und Durchblick. Es soll deutlich werden, dass der Widerstand gegen Neonazis und Alltagsrassismus über den 13. Februar hinaus eine alltägliche Herausforderung ist – den man hier spielerisch trainieren kann. Mehr Infos
Trimm-Dich-Pacours Deutschlandtafel
„Die demokratische Kultur in Dresden und in ganz Sachsen ist noch sehr entwicklungsfähig“, meint der Vereinsvorsitzende Christian Demuth. „So sehr wir die derzeitige Entwicklung rund um den 13. Februar in Dresden begrüßen – es reicht nicht, einmal im Jahr auf die Straße zu gehen und gegen Neonazis zu demonstrieren“. Demokratische Kultur drücke sich vielmehr dadurch aus, dem im Alltag überall zu erlebenden Rassismus aktiv entgegenzutreten sowie eine selbstbewusste demokratische Haltung an den Tag zu legen. „Ohne ein demokratisches Rückgrat ihrer Bürgerinnen und Bürger geht die Demokratie zugrunde. Diese Probleme möchte Bürger.Courage mit den Kunstinstallationen thematisieren“, so Demuth weiter. Die Ideen zu den Kunstprojekten stammen von Jugendlichen, die sich im Rahmen des Bürger.Courage-Projekts „Die Neue Weiße Rose“ mit dem Thema Widerstand gegen Rechtsextremismus und Mobilisierung für Demokratie beschäftigt haben.
Das Bürger- und Kunstprojekt von Bruno Phillips will mit möglichst vielen Menschen das Wort "Toleranz" auf dem Dresdner Alaunplatz bilden. Daneben sind Musik- und Tanzveranstaltungen geplant. Aus technischen Gründen wird die Veranstaltung verschoben. Aktuelle Infos unter http://www.bellaciao.eu/.
"Ich mag das Wort Toleranz nicht, aber ich finde kein besseres." Mahatma Gandhi 1869-1948 Dazu meint der Veranstalter des Projekts Bruno Phillips: "Oft ist es notwendig, einen kleinen Schritt zu gehen, um den großen Schritt zu verstehen. Toleranz ist vor allem eine persönliche, schließlich eine kollektive Angelegenheit. Wir werden insgesamt 1600 Menschen benötigen, die sich sammeln, um das Wort Toleranz zu gestalten. Aus der Nähe wird es fast unmöglich sein, das Wort zu lesen. Eine gewisse Distanz ist notwendig. Sich und andere besser zu verstehen, verlangt oft von uns, uns selbst und anderen gegenüber ein wenig Abstand zu gewinnen. Aus der Entfernung verstehen wir unser Verhalten, unsere Wünsche, unsere Ansprüche, unsere Ängste, unsere eigene Kultur und letztlich die der anderen viel besser." Daher gilt es, so viele Menschen wie möglich zu gewinnen, die Teil der Installation sein wollen, Die Aktion soll von einem Helikopter aus gefilmt und dann an wichtige Fernsehanstalten gesendet werden. Begleitet wird die Aktion von einem bunten Programm aus Kleinkunst, Musik und Tanz. Weitere Infos unter www.toleranz-in.org
Wir wurden von der "Stiftung Bürgermut" aus Berlin als "Weltbeweger der Woche" ausgezeichnet. Über diese kleine, aber sehr feine Auszeichnung freuen wir uns natürlich...
"Rechten Parolen Paroli bieten, auch wenn die NPD bereits im Landtag sitzt. Das haben sich couragierte Bürger in Dresden auf die Fahnen geschrieben. Mit pfiffigen Ideen versuchen sie, Menschen in der Landeshauptstadt zu sensibilisieren. Ihr Motto: 'Wehret den Anfängen!'"
Mit dieser Einleitung trifft die Stiftung Bürgermut im Prinzip den Nagel auf den Kopf. Wir fühlen uns geehrt und verweisen auf die Begründung zur Auszeichnung.
Sei dabei beim Dresdner RAINBOWFLASH! Sende Deine Botschaft gegen Homophobie in den Dresdner Himmel! 19.00 Uhr auf dem Theaterplatz in Dresden. Für Luftballons ist schon gesorgt!
Am 17. Mai ist der "International Day Against Homophobia". Vor genau 20 Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel gestrichen. An diesem Tag setzen Schwule und Lesben, deren FreundInnen, KollegInnen, Eltern und Geschwister in vielen Städten (Minsk, Novosibirsk, St. Petersburg, Tscheljabinsk, Moskau, Rostow am Don u.v.m.) Europas ein Zeichen gegen Homophobie. "RAINBOWFLAH" ist eine internationale Aktion, bei der an vielen Orten der Welt Luftballons mit Botschaften gegen Homophobie fliegen lassen und ein eindeutiges Zeichen gegen Gewalt und Vorurteile gegenüber Schwulen, Lesben Inter- und Transsexuellen setzen. Sei auch DU dabei bei diesem weltweiten Flashmob!
Rainbowflash 2009 in St. Petersburg
Die Aktion in Dresden soll auch als ein Zeichen der Verbundenheit und der Unterstützung der AktivistInnen in anderen Ländern verstanden werden. Das heißt aber nicht, dass vor unserer Haustür schon alles in Ordnung ist, wenn es um das Thema Homophobie geht! Laufe einmal gleichgeschlechtlich Hand in Hand durch Dresden oder andere Städte oder Dörfer Sachsens, dann weißt Du, wie es an Toleranz und Akzeptanz mangelt.
Falls Du am 17. Mai keine Zeit hast, dann schick Deine Botschaft an rainbowflash.dd@gmail.com. Sie wird dann durch andere fliegen gelassen. Mehr Infos unter: www.rainbowflash.info Der RAINBOWFLASH in Dresden wird organisiert vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland e.V. (LSVD) Sachsen.
Am 19. April 2005 gründete sich unser Verein Bürger.Courage, um aktiv gegen rechte Strukturen und Denkweisen einzutreten und für die Demokratie zu kämpfen - friedlich, kreativ und überparteilich. Wenngleich unsere Arbeit leider noch nicht überflüssig geworden ist, hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Wir finden, das ist ein Grund zum Feiern und eine gute Gelegenheit, ein erstes Resümee zu ziehen sowie all unseren UnterstützerInnen und HelferInnen ein riesen großen Dank auszusprechen!
Die Vorbereitungen der entsprechenden Festlichkeit und einer kleinen Überraschung laufen auf vollen Touren! Ort, Zeit und Datum werden in Kürze bekannt gegeben. Nur soviel: ein paar Wochen gilt es, sich noch zu gedulden, denn es soll ein Bürger.Courage-SOMMERfest veranstaltet werden...und die Sonne lässt ja offensichtlich noch ein bisschen auf sich warten.
Wir sind der Meinung, dass solche Kürzungen fatale Auswirkungen haben können. Eine breit angelegte Jugendarbeit ist eine der Grundlagen, um die Ausbreitung rechtsextremen Denkens zu verhindern.....
Der Dresdner Verein Bürger.Courage kritisiert die geplanten Kürzungen im Jugendbereich in Sachsen und warnt vor den Konsequenzen: „Rechtsextremes Denken entwickelt sich nicht von ungefähr. Eine seiner Ursachen sind mangelhafte Infrastrukturen und Angebote im Bereich der Jugendarbeit – vor allem in ländlichen Gegenden Sachsens“, sagt der Vereinsvorsitzende Christian Demuth.
Bürger.Courage begrüßt zwar die gleichzeitig bekanntgewordene Verlängerung des Programms ‚Weltoffenes Sachsen‘. „Wenn aber die finanzielle Basis für Projekte in der freien Jugendarbeit wegfällt, sind die Programme gegen Rechtsextremismus letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, betont Demuth. „Die Programme dürfen nicht zum Alibi oder zu einem Feigenblatt werden. Eine breit angelegte Jugendarbeit muss eine der Grundlagen der Programme gegen Rechtsextremismus sein. Wer der Jugendarbeit durch Kürzung der Mittel die Lebensgrundlage entzieht, macht sich mitverantwortlich für die weitere Ausbreitung von demokratiefeindlichem Denken.“ Bereits jetzt würden alternative Freizeit- und Aktionsangebote für Jugendliche fehlen. Der Staat ziehe sich im Jugendbereich immer weiter zurück.
„Genau in diese Lücken stoßen dann die Nazis: Wo alternative Jugendangebote wegfallen, werden Nazi-Veranstaltungen attraktiv. Wenn nun gerade im Jugendbereich weitere Mittel wegfallen, ist das der falsche Ansatz“, so Demuth weiter.
Seit Jahren versuchen Neonazis, ihre Ideologie unter Jugendlichen zu verbreiten. So verteilte die NPD in der Vergangenheit CDs und Magazine mit rassistischen und gewaltverherrlichenden Inhalten auf Schulhöfen. Auch die Veranstaltung von Familienfesten, Zeltlagern und Konzerten ist Teil der der rechtsextremistischen Strategie. Die NPD erzielte bei den letzten beiden Landtagswahlen in Sachsen ihre größten Erfolge bei Erst- und Jungwählern.
Bürger.Courage feiert die Verhinderung des Naziaufmarsches am 13. Februar als großen Erfolg...
Der Verein Bürger.Courage bezeichnet die Verhinderung des Naziaufmarsches in Dresden als großen Erfolg. „An diesem 13. Februar hat Dresden gezeigt, dass Naziaufmärsche auch in unserer Stadt friedlich verhindert werden können. Daran muss nächstes Jahr angeknüpft werden – mit gemeinsamen Anstrengungen aller gesellschaftlichen Kräfte“, erklärt der Vereinsvorsitzende Christian Demuth. „Es war ein guter Tag für Dresden.“
Auch die Menschenkette sei ein wichtiger Erfolg gewesen. „Viele Tausend Bürgerinnen und Bürger konnten so erfahren, dass sich Engagement gegen Nazis lohnt und man deswegen kein Linksextremist ist“. Dennoch müsse ganz klar gesagt werden: „Es wäre sehr realitätsfern, jetzt der Menschenkette die Verhinderung des Aufmarsches zuzuschreiben“, so Demuth weiter. „Das war vor allem der Verdienst der entschlossenen, mutigen und friedlichen Menschen in den Blockaden des Bündnisses „Dresden nazifrei!“ in der Dresdner Neustadt. Ihnen sowie der besonnen und transparenten Organisationsleitung des Bündnisses gebührt an diesem Tag der Dank.“
Allerdings sei das nur ein erster Schritt gewesen: „Ohne die Mithilfe von tausenden Unterstützerinnen und Unterstützern aus ganz Deutschland hätte der Aufmarsch der Neonazis auch dieses Jahr nicht aufgehalten werden können. Es ist zutiefst bedauerlich, dass manche Verantwortliche das Bündnis „Dresden nazifrei!“ und die Menschen, die friedlich blockiert haben, weiter mit Randalierern und Chaoten gleichsetzen“, betont Demuth. „Neben der Menschenkette sollten nicht die vereinzelten Krawalle zwischen Neonazis und gewaltbereiten Linksautonomen im Vordergrund stehen. Wir fordern die Verantwortlichen auf, über ihren Schatten zu springen und den friedlichen Protestierern für ihr Engagement in Dresden und für die Demokratie zu danken – und sie nicht weiter zu kriminalisieren.“ Bürger.Courage begrüßt auch die Arbeit der Polizei am 13. Februar. Sie habe diesmal eine sehr konstruktive und deeskalierende Taktik angewendet.
Das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes zum Naziaufmarsch am 13. Februar hat gezeigt: Ein Verbot ersetzt nicht den zivilgesellschaftlichen Protest. Wir fordern gemeinsame Anstrengungen für ein friedliches Protestieren gegen Neonazis.
Dem Dresdner Verein Bürger.Courage zufolge zeigt das heute ergangene Urteil des Oberverwaltungsgerichts Bautzen hinsichtlich des Naziaufmarschs in Dresden, dass hier der falsche Weg eingeschlagen wurde. „Ein Verbot ersetzt nicht den zivilgesellschaftlichen Protest. Das sollte nun klar geworden sein“, sagt der Vereinsvorsitzende Christian Demuth. „Es kommt jetzt auf die Dresdnerinnen und Dresdner an, friedlich gegen den Naziaufmarsch zu protestieren. Das Problem des Aufmarschs kann nur die Dresdner Bürgerschaft selbst lösen – niemand anderes". Hierzu müssten jedoch in Zukunft alle an einem Strang ziehen und zusammenarbeiten. „Sich gegeneinander auszuspielen ist kontraproduktiv und nutzt höchstens den Nazis.“
Zwar sei die Menschenkette als erstes gemeinsames Zeichen gegen den Naziaufmarsch am 13. Februar durch die Dresdner Bürgerschaft und ein richtiger Schritt. „Daran beteiligen sich auch viele, die sich zum ersten Mal ermutigt sehen, Gesicht zu zeigen", so Demuth weiter. „Doch auch diesmal ist der 13. Februar wieder von vielen Ritualen, Vorurteilen und egoistischen Interessen geprägt. Das dient nicht der gemeinsamen Sache einer wehrhaften Demokratie.“
Für Samstag wünscht sich Bürger.Courage nun ein friedliches und klares Zeichen gegen Rechtsextremismus. „Jeder friedliche Protest von wehrhaften Demokraten gegen die Nazis ist unterstützenwert – egal auf welche Art und Weise“, betont Demuth. „Eine Unterscheidung in „guten“ und „bösen“ Protest gegen die Nazis lehnen wir ab. Viele Menschen haben im Vorfeld viele Mühen, Zeit und Energie in die Vorbereitung gesteckt. Dies darf nicht von Behörden und Politik schlecht geredet oder gar kriminalisiert werden. Damit würde die Forderung nach mehr zivilgesellschaftlichem Engagement absurd erscheinen.“
Bürger.Courage kritisiert scharf die Verlegung der Dresdner Neonazi-Kundgebung zum Bahnhof Neustadt
Der Verein Bürger.Courage kritisiert scharf die Entscheidung der Stadt Dresden, die Kundgebung tausender Neonazis am 13. Februar zum Bahnhof Neustadt zu verlegen. „Die Vorstellung, dass Rechtsextreme nun ausgerechnet an jenem Ort aufmarschieren sollen, an dem von 1942 bis 1944 die Züge in die Konzentrationslager nach Auschwitz und Theresienstadt losrollten, macht uns sprachlos“, betont der Vereinsvorsitzende Christian Demuth.
„Die Dresdner Ordnungsbehörden und die Staatsanwaltschaft lassen jede Sensibilität vermissen. Natürlich ist es erste Aufgabe der Polizei, Sicherheit zu garantieren. Das muss aber immer im Einklang mit einer Sensibilität für Geschichte und für demokratische Grundwerte stehen“, so Demuth weiter. Das eigentliche Problem liegt in Dresden und in Sachsen – das beweist auch die neue Opferstatistik des RAA Sachsen – im weitverbreiteten rechtsextremen Denken und in rechtsextremistischer Gewalt. In ihrem fast schon ideologischen Dogmatismus, Neonazis von Gegendemonstranten zu trennen und quasi gleichzusetzen, verkennen die Behörden das wahre Problem.“
Bürger.Courage zufolge werde in Dresden am 13. Februar wieder einmal Ursache und Wirkung verwechselt: „Gegendemonstrationen sind in der gang großen Mehrzahl ein Protest gegen den Aufmarsch von über 6000 Neonazis. Nichts anderes. Dieses Einstehen für demokratische Grundwerte wird nun in die kriminelle Ecke gestellt – und zwar von denen, die in den letzten 20 Jahren im Kampf gegen Rechtsextremismus versagt haben“, sagt Demuth.
Laut der aktuellen Statistik des RAA gab es vergangenes Jahr 263 rechte Angriffe in Sachsen, von denen 446 Personen betroffen waren.
Die Durchsuchungen der Dresdner Staatsanwaltschaft in den Räumen des Bündnisses "Nazifrei! Dresden stellt sich quer" erscheinen uns kontraproduktiv und falsch. Dem Protest gegen den Naziaufmarsch am 13. Februar wird es wieder einmal schwer gemacht...
„Vollkommen unverhältnismäßiges Vorgehen“
Bürger.Courage kritisiert die Durchsuchungen der Dresdner Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit den geplanten Aktionen gegen den Naziaufmarsch
Der Dresdner Verein Bürger.Courage kritisiert scharf die gestrige Durchsuchung der Räume des überparteilichen Bündnisses „Nazifrei! Dresden stellt sich quer“ in der sächsischen Landeshauptstadt und in Berlin. „Dem Protest gegen den Neonazi-Aufmarsch am 13. Februar in Dresden wird es wieder einmal schwer gemacht“, sagt der Vereinsvorsitzende Christian Demuth. „Die Staatsanwaltschaft ist vollkommen unverhältnismäßig vorgegangen. Man scheint hier eine Blockade mit einem Bürgerkrieg zu verwechseln. Das ist grundsätzlich falsch. Das Bündnis hat betont, dass es eine friedliche Blockade des rechten Aufmarschs möchte. Ähnliche Aufrufe in anderen Städten zeigen, dass ein Aufmarsch so auf friedvolle Weise verhindert werden kann.“ Darüber hinaus werde zum wiederholten Male deutlich, dass man in Dresden das wirkliche Problem verkenne: den Aufmarsch der Neonazis. Davon würde die Gefahr ausgehen – und nicht vom friedlichen Protest dagegen.
Bürger.Courage zufolge werden die Auswirkungen nicht auf das Bündnis beschränkt bleiben: „Sei es bewusst oder unbewusst: Auch Oberbürgermeisterin Orosz fällt man mit den Maßnahmen gegen das Bündnis in den Rücken. Durch die Durchsuchungen werden ihre Bemühungen zu einer Menschenkette durch die Innenstadt torpediert“, betont Demuth. „Zivilcourage und friedlicher Protest gegen Neonazis erscheinen so in einem kriminellen Licht. Das wird nicht dazu beitragen, am 13. Februar mehr Menschen auf die Straße zu bekommen – es führt höchstens dazu, dass sie aus Furcht vor Gewalt zu Hause bleiben.“ Dem erstmaligen Versuch einer Dresdner Bürgermeisterin, sich an die Spitze eines klaren symbolischen Protestes gegen den Naziaufmarsch am 13. Februar zu stellen, wäre ebenso wie den Bemühungen der jeweiligen zivilgesellschaftlichen Gruppen ein Stoß versetzt worden.
Das Bundesverfassungsgericht hat deutlich gemacht, dass eine friedliche Blockade als Teil von „zivilem Ungehorsam“ unter das Versammlungsgesetz fällt und somit nicht strafbar ist. Die juristische Handhabung wird allerdings unterschiedlich interpretiert. „Die Auslegung der Dresdner Staatsanwaltschaft ist schlicht unangebracht“, so Demuth. „Es macht den Anschein, man nimmt einen Aufmarsch von 6000 Neonazis in Kauf – wenn er nur ruhig bleibt. Ertragen müssen diesen Aufmarsch aber die Menschen in Dresden und ganz Deutschland – und genau das ist nicht akzeptabel. “
Wir unterstützen ausdrücklich die Bemühungen der Oberbürgermeisterin für eine Menschenkette in Dresden am 13. Februar. Dennoch: Europas größter Aufmarsch von Nazis kann so leider nicht verhindert werden...
Gemeinsam dem rechten Aufmarsch entgegentreten – verschiedene Aktionen geplant
Bürger.Courage unterstützt die Aktionen gegen den Naziaufmarsch am 13. Februar/Schüler entwerfen Banner am 4. Februar
Der Verein Bürger.Courage begrüßt die Anstrengungen von Oberbürgermeisterin Helma Orosz, am 13. Februar eine Menschenkette in der Dresdner Innenstadt zu organisieren. „ Wir unterstützen Frau Orosz ausdrücklich dabei, auf diese Weise ein Zeichen für Demokratie und gegen den geplanten Naziaufmarsch zu setzen. Dass sich nach den Auseinandersetzungen der letzten Jahre erstmals alle demokratischen Kräfte auf ein gemeinsames Vorgehen einigen konnten, weist in die richtige Richtung“, sagt der Vereinsvorsitzende Christian Demuth. „Wir appellieren an alle Dresdnerinnen und Dresdner, Flagge zu zeigen – und an der Menschenkette oder an einer der anderen Aktionen gegen den Aufmarsch der Nazis teilzunehmen, die an diesem Tage geplant sind.“
Trotz dieser positiven Entwicklungen warnt Bürger.Courage vor überfrühter Genügsamkeit: „Eine Menschenkette wird die größte Demonstration von Neonazis in ganz Europa nicht verhindern können“, so Demuth weiter. „Das muss aber weiterhin oberstes Ziel bleiben. Sonst wird Dresden diesen unsäglichen Aufmarsch auch in den nächsten Jahren zu ertragen haben.“ Daher unterstütze der Verein außerdem den Aufruf des Bündnisses „Nazifrei! Dresden stellt sich quer“, den unter anderem die Musiker Bela B. und Konstantin Wecker sowie zahlreiche Politiker unterzeichnet haben.
Darüber hinaus organisieren die Stadt Dresden und Bürger.Courage ein gemeinsames Projekt mit mehreren Schulen aus Dresden. Am 4. Februar werden Schülerinnen und Schüler bei einer zentralen großen Veranstaltung eigenständig Banner und Plakate entwerfen, die sich gegen den rechten Aufmarsch richten und im Anschluss an öffentlichen Plätzen aufgehängt werden. Interessierte Schulen können sich an das Rathaus oder Bürger.Courage wenden.
Am Freitag, den 27. November um 16 Uhr treffen sich die Mitglieder des Bürger.Courage-Projekts "Die Neue Weiße Rose" auf dem Postplatz der Dresdner Innenstadt. Dort wollen sie die DresdnerInnen von ihren vorweihnachtlichen Einkäufen ablenken und mit einer kleinen Straßenaktion irritieren. Dabei hinterlässt die Neue Weiße Rose in einer Verfolgungsjagd erste Spuren und ein paar wichtige Rosenblätter!
Kleine Menschengruppen werden einzelne Personen verfolgen. Der Andere, der Verfolgte, spricht Passanten an und steckt ihnen Handzettel zu. Da brüllt es aus der Gruppe der Verfolger: „Da ist wieder einer!“ – eben ein Anderer. Der Andere, der doch Jeder sein kann!
Keinen Tag zu früh veröffentlicht die Sächsische Zeitung eine gute Analyse des Dresdner Kommunikationswissenschaftlers Wolfgang Donsbach über fremdenfeindliche Einstellungen sächsischer BürgerInnen. Donsbach präsentiert Studienergebnisse und Fakten, die einigen nicht ganz neu sind, für die meisten - einst als "immun gegenüber Rechtsextremismus" geltenden Sachsen - wohl aber erstaunliche Neuigkeiten darstellen dürften.
Quelle: sz-online/Sächsische Zeitung
Freitag, 20. November 2009
Warum sich jeder vierte Sachse nach einem starken Mann sehnt Von Wolfgang Donsbach
Wie sieht Sachsen im Jahr 2020 aus? Vor welchen Herausforderungen steht die neue Landesregierung? Welche politischen Weichen müssen schon heute gestellt werden? Zu diesen Fragen veröffentlicht die SZ eine neue Reihe mit kontroversen Essays und Analysen. Heute: Professor Wolfgang Donsbach. Der Leiter des Instituts für Kommunikationswissenschaften an der TU Dresden analysiert die Ursachen und Wirkungen fremdenfeindlicher Einstellungen und erklärt, was man dagegen tun kann.
Gibt es überhaupt ein Problem mit Fremdenfeindlichkeit, oder wird das Thema von interessierter Seite künstlich aufgebauscht? Die Antwort ist leider eindeutig. Sowohl was die Einstellungen als auch das Verhalten angeht, steht Sachsen mit an der Spitze der Problemländer in Deutschland.
Zunächst zu den Einstellungen. Der faschistoiden Aussage „Wir sollten eine Führerpersönlichkeit haben, die Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert“ stimmt jeder vierte Sachse zumindest teilweise zu. Der eindeutig rassistischen Aussage „Wir sollten darauf achten, dass wir das Deutsche rein erhalten und Völkervermischung verhindern“ kann jeder fünfte Sachse etwas abgewinnen. Den harten Kern bilden dabei die zehn Prozent Befragten, die dieser rassistischen Aussage „voll und ganz zustimmen“.
Erwartungsgemäß hat bei beiden Aussagen die Bildung einen Einfluss darauf, was die Menschen denken. Nicht jedoch die Parteipräferenz. Bei CDU, SPD, Linken und FDP gibt es jeweils gleiche Anteile von Menschen, die eine faschistoide oder rassistische Haltung haben. Lediglich die NPD-Wähler, die erwartungsgemäß die größte Zustimmung zu diesen Aussagen aufweisen, und die Wähler von Bündnis 90/Die Grünen, die sie am stärksten ablehnen, tanzen hier aus der Reihe. Rechtsextreme Einstellungen sind mit Ausnahme der NPD in Sachsen also nicht zuerst ein Problem der extremen Parteien.
In einer Repräsentativumfrage des Instituts für Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Dresden unter erwachsenen Dresdnern im März 2009, welche Nachbarn dem Befragten „unangenehm wären“, nannte jeder Vierte die Türken. 18 Prozent erwähnten die Osteuropäer und zehn Prozent die Afrikaner. Ein Drittel der Dresdner hat Sympathien für die Idee, Ausländer wieder nach Hause zu schicken, wenn Arbeitsplätze knapp werden, ein Viertel fühlt sich angesichts „der vielen Ausländer“ „wie ein Fremder im eigenen Land“. Nebenbei: Dresden hat von allen deutschen Großstädten die wenigsten Ausländer.
Schlägt sich die Einstellung im Verhalten nieder?
Das demoskopische Muster dieser Einstellungen geht Hand in Hand mit in Sachsen gehäuft auftretenden rassistisch motivierten Straftaten. Laut Verfassungsschutzbericht gab es in Sachsen im Jahre 2008 nach Sachsen-Anhalt – bezogen auf die Einwohnerzahl – die meisten Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund. Die Anzahl rechtsextremistischer Straftaten stieg gegenüber dem Vorjahr deutlich um 13 Prozent, die Anzahl der Gewaltdelikte noch deutlicher um 40Prozent, meldete der sächsischer Verfassungsschutz. Dies sind jeweils mehr Straftaten, als von der linken Szene verantwortet werden.
Das Problem einer Fremden- und Ausländerfeindlichkeit in Sachsen ist also real. Es hat eine ethische und eine pragmatische Komponente. Ethisch entspricht Fremdenfeindlichkeit nicht den Werten, die unserer Demokratie zugrunde liegen. Praktisch prägen diese Zahlen und noch mehr konkrete Straftaten wie die Ermordung der Ägypterin Marwa El-Sherbini oder der Überfall auf ein türkisches Restaurant das Bild Sachsens außen sehr viel mehr als alle staatlichen Initiativen für ein „weltoffenes Sachsen“. Der Nachrichtenwert solcher Ereignisse für die Auslandsmedien wird in Sachsen unterschätzt.
Ist das Problem der Fremdenfeindlichkeit neu?
Es gibt einige Anzeichen, dass das überdurchschnittliche Auftreten von Fremden- und Ausländerfeindlichkeit zumindest teilweise ein Erbe der DDR-Zeit ist, denn Unterschiede bestanden bereits direkt nach der Wiedervereinigung. In einer Umfrage unter Schülern 1990 sagten im Osten 42 Prozent „Mich stören die vielen Ausländer bei uns“. Im Westen waren es zur gleichen Zeit 26 Prozent. Die angebliche Privilegierung der wenigen Ausländer (die DDR hatte einen Ausländeranteil von nur 1,2 Prozent) kann dabei kaum die Ursache der negativen Einstellungen sein, denn die mit Abstand meisten Ausländer wurden für eher niedrige Tätigkeiten ins Land geholt und blieben meistens ohne nennenswerte soziale Kontakte zu DDR-Bürgern.
Die Bezeichnung der Vietnamesen als „Fidschis“ und der Afrika-ner als „Brikettis“ spricht ebenfalls für eine eher geringe Bereitschaft der deutschen Bevölkerung, sie zu akzeptieren und zu integrieren. Selbst eine Skinhead-Bewegung gab es ab den 70er-Jahren in der DDR. Zudem war der SED-Staat alles andere als eine „offene Gesellschaft“, weder hinsichtlich seiner Grenzen noch hinsichtlich der Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Ideen, Kulturen und Lebensweisen. Dies wirkt bis heute in die ostdeutsche Gesellschaft und damit auch nach Sachsen hinein.
Gibt es das Problem nur im Osten Deutschlands?
Durch fanatische Islamisten sterben weltweit vielfach mehr unschuldige Menschen als durch rassistisch motivierte Straftaten bei uns. Fremdenfeindlichkeit und Hass auf andere Gruppen gibt es also in allen Kulturen. Aber das verringert nicht das Problem für Sachsen. Fremdenfeindlichkeit ist der hier angemessene Begriff, weil negative Einstellungen gegenüber Ausländern nur eine von mehreren Ausprägungen des gleichen Phänomens ist. Der „Fremde“ kann für den Dynamo-Fan der Anhänger eines anderen Fußballvereins sein, für den Sachsen der Nicht-Sachse, für den „Ossi“ der „Wessi“, für den Deutschen der Nicht-Deutsche, für den Mitteleuropäer der Araber. Und alles gilt auch umgekehrt. Je größer die äußerlichen oder immateriellen Unterschiede zwischen Gruppen sind, desto größer ist die Gefahr der Ausgrenzung der jeweils anderen. Es kann bei allen Diskussionen also nicht um ein einseitiges Brandmarken Sachsens oder „des Ostens“ gehen, sondern darum, wie stark auffällige Einstellungen und Verhaltensweisen in einer Region ausgeprägt sind und was man dagegen tun kann.
Ausprägungen und Ursachen von Fremdenfeindlichkeit sind von der Sozialwissenschaft gut erforscht. Natürlich spielen bei der Herausbildung solcher Einstellungen Bildung und persönlicher Horizont eines Menschen sowie die Vermittlung von Werten wie Toleranz in der Kindheit eine Rolle. Man weiß aber auch, dass die Fremdenfeindlichkeit immer dort am größten ist, wo es wenige „Fremde“ gibt oder wo die Menschen durch eigene Immobilität wenige Kontakte zu ihnen haben.
Mit Umfragen kann man zeigen, dass die vermehrten Reisen und die wirtschaftlichen Beziehungen in der alten Bundesrepublik und die damit verstärkten Kontakte mit Ausländern auch zu positiveren Einstellungen bei den Deutschen führten. Dies erklärt, warum ausgerechnet in Bundesländern mit den wenigsten Ausländern die meisten Menschen der Ansicht sind, es gebe „zu viele Ausländer“ (Sozialreport der Volkssolidarität). Gerade Sachsen ist im Phänotypus seiner Menschen ein relativ homogenes Land, in dem „der Fremde“ viel eher auf-fällt als in Berlin oder Frankfurt am Main. Das führt dann beispielsweise dazu, dass die Dresdner Bevölkerung den Ausländeranteil in ihrer Stadt mit dem Faktor 3 überschätzt (zwölf statt vier Prozent).
Die hinter diesem Phänomen liegende psychologische Erklärung ist das Kontrollbedürfnis der Menschen. Wir wollen unsere Umwelt verstehen, um darin zurechtzukommen, und wir können sie am besten verstehen, wenn uns Abläufe und Akteure möglichst vertraut sind. Alles Abweichende verunsichert, und Verunsicherung kann zu Aversion und Aggression führen.
Wo kann man mit einer Lösung ansetzen?
Fremdenfeindlichkeit ist ein komplexes Phänomen, das bei dem Täter einer rassistisch motivierten Straftat beginnt und bei Bürgern endet, die nicht einmal selbst fremdenfeindliche Einstellungen haben, aber nichts tun gegen diejenigen, die sie haben. Diese Skala vom Täter über den Mitläufer und den stillschweigenden Unterstützer bis hin zum erwähnten Gleichgültigen muss man vor Augen haben, wenn man erfolgreich Fremdenfeindlichkeit bekämpfen will. Denn für alle bedarf es anderer Rezepte und Ansprachen. Wie man gewaltbereite junge Menschen umsozialisieren kann, wissen andere besser. Der Verein „Netzwerk Sachsen gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit“ geht den steinigen Weg, direkt mit den Problemgruppen zu arbeiten.
Denkt man an die Teile der Bevölkerung, die selbst nicht gewaltbereit sind, aber problematische Einstellungen haben und/oder gleichgültig sind, dann besteht der simpelste Ansatzpunkt darin, mehr Ausländer nach Sachsen und insbesondere in die Großstädte zu holen, um damit das Stadtbild nachhaltig zu beeinflussen. Dafür können die Tourismusorganisationen, die Hochschulen und die Wirtschaftsförderung etwas tun – und sie tun es ja bereits. Auch Aufklärungs-Kampagnen mit „Hinguckern“ auf Plakatwänden und Zeitungsanzeigen können die vorherrschenden Vorstellungen von dem, was normal und damit gut ist, aufbrechen. Das gilt übrigens auch für andere Bereiche, in denen einige sächsische Städte eher rückwärtsgewandt und modernitätsfeindlich sind – wie zum Beispiel die Kunst und die Architektur.
In den Schulen muss noch mehr Wert auf die Vermittlung rechtsstaatlicher und zivilgesellschaftlicher Einstellungen gelegt werden. Nur Anti-Rechts zu predigen, greift zu kurz, weil das Problem tiefer liegt. Es geht um das Verständnis von einer offenen Gesellschaft, in der das Individuum ein aktiver und selbstverantwortlicher Teil ist. Wer sich einbringt und viel mit anderen redet, akzeptiert auch eher den anderen. Vereine wie die „Aktion Zivilcourage“ in Pirna oder „Bürger.Courage“ in Dresden gehen diesen Weg.
Bürger.Courage zu den Schmiereien an der Synagoge und dem Überfall auf zwei indische Mitbürger in Dresden
„Bürger.Courage verurteilt die antisemitischen Schmierereien an der Dresdner Synagoge vom vergangenen Wochenende auf das Schärfste“, sagt der Vereinsvorsitzende Christian Demuth. „Allerdings erscheint es uns doch befremdlich, dass gerade Nazis ein ‚Hakenkreuz = Davidstern‘ an eine Synagoge geschmiert haben sollen“, so Demuth weiter. Diese Gleichstellung mache aus deren Sicht keinen Sinn. „Eine voreilige oder falsche Berichterstattung sollte daher vermieden werden.“
„Egal, wer letztendlich die Täter waren: Jedem Antisemitismus und jedem Rassismus muss die Dresdner Bürgerschaft vehement entgegentreten. Und zwar nicht nur, um das Image Dresdens nach außen zu verbessern, sondern vor allem für die Menschen, die hier leben.“
Bezeichnend sei es nämlich, dass der am gleichen Wochenende geschehene Überfall auf zwei indische Mitbürger an einer Straßenbahnhaltestelle in Dresden lediglich eine Randnotiz darstellt. „Das macht wieder einmal deutlich, welche Gefahr für Mitbürgerinnen und Mitbürger mit anderem Aussehen oder anderer Hautfarbe in Dresden ausgeht. Man kann es nur ständig wiederholen: Dresden hat ein Rechtsextremismus- und Rassismusproblem. Auch wenn im Kampf der Stadt dagegen Fortschritte zu erkennen sind - der Ruf Dresdens ist nicht durch eine einmalige Aktion am 13. Februar wiederherzustellen“, so Demuth.
Die Oberbürgermeisterin Dresdens, Helma Orosz, hat die Schirmherrschaft über das Jugendtheater- und Kunstprojekt die "Neue Weiße Rose" übernommen. Damit wolle sie diesem "umfangreichen und mit hohem Anspruch angesetzten Projekt" ihre "besondere Wertschätzung" zum Ausdruck bringen, so Orosz.
Auf diese Weise setzt die Oberbürgermeisterin - auch mit Blick auf den 13. Februar 2010 - ein wichtiges Zeichen für Engagement und Zivilcourage, das auf die Bürgerinnen und Bürger positiv ausstrahlen dürfte. Denn auch wenn die (Wieder-)belebung der "Neuen Weißen Rose" nur mit Hilfe der Jugendlichen dieser Stadt möglich ist, kann mit einer solchen Schirmherrschaft ihr Vertrauen wachsen, dass sie mit dem Bemühen, Alltagsrassismus und Fremdenhass aus den Köpfen zu bekommen, auch die "Offiziellen" auf der "richtigen" Seite haben. In diesem Sinne dankt Bürger.Courage Frau Orosz für die Übernahme der Schirmherrschaft und hofft auf eine fruchtbare und vor allem nachhaltige Zusammenarbeit!
Schüler, Lehrer und Eltern aufgepasst! Im neuen Schülerprojekt von Bürger.Courage „Neue Weiße Rose“ können Dresdner Jugendliche auf verschiedenen künstlerischen Wegen ein klares Zeichen für Demokratie und gegen Nazis setzen. In mehreren Aktionen wollen wir ergründen, was Courage heute bedeuten kann. Wir wollen Stadtgespräch werden!
Künstlerisch "austoben" - gegen Rechts und für Demokratie! Das ist das Motto eines Projekts, das derzeit mit Schülern, Lehrern und in Zusammenarbeit mit dem Theater Junge Generation (TJG) sowie dem Staatstheater Dresden vorbereitet wird. Das Ziel: Jugendliche sollen durch Wort, Tat, Film und Kunst selbst aktiv werden. Der Kreativität sollen keine Grenzen gesetzt sein. Fotografie, Straßen-Theater oder eine Kunstinstallation? Die Schüler entscheiden! Am Wochenende vom 31. Oktober/1. November startet der erste Workshop für das Projekt “Neue Weiße Rose” im Theater Junge Generation.
Die Weiße Rose ist Symbol für die Abgrenzung von nationalsozialistischen Ideen. Mehr Infos zum Anliegen und wie man ganz einfach mitmachen kann unter: http://www.die-neue-weisse-rose.de.
Während die Wahl der NPD 2004 in den Sächsischen Landtag noch für breite Empörung sorgte, scheinen sich die Sachsen 2009 offenbar mit der strukturellen Verankerung von Neonazis in ihrem Bundesland abgefunden zu haben. Bürger.Courage protestierte zur konstituierenden Landtagssitzung am 29. September am Elbufer in Sichweite des Landtags mit dem 14 Meter langem Banner "...auf Nazis verzichten wir!" gegen eine zunehmende Normalisierung und Gleichgültigkeit im Umgang mit der Neonazipartei NPD.
Obwohl es der NPD zum ersten Mal in ihrer Parteigeschichte gelungen ist, den Wiedereinzug in eine deutsches Landesparlament zu schaffen, ist eine breite kritische Auseinandersetzung mit den Gründen dafür bisher weitgehend ausgeblieben. Es scheint bei den Politikern, den Medien und der Gesellschaft eine gewisse Gewöhnung an die Vorstellung stattzufinden, dass Nazis eben zum politischen Sachsen gehören.
Bürger.Courage setzte am 29. September zum Auftakt der konstituierenden Landtagssitzung auf der Neustädter Elbseite, direkt gegenüber vom Plenarsaal, ein Ausrufezeichen im Namen aller Sachsen, die sich mit der Festigung des Rechtsextremismus in ihrer Heimat nicht abfinden wollen - weder in den Parlamenten, noch im Alltag oder in den Köpfen. Zu einigen Fotos von der Aktion gelangen Sie hier.
Der offene Brief von Prof. Dr. Wolfgang Donsbach gibt Anlass zur Hoffnung - endlich beginnt eine breite Diskussion über Alltagsrassismus und Rechtextremismus in Dresden. Aber wie äußert sich die Oberbürgermeisterin Helma Orosz? Häufig bleibt es bei Lippenbekenntnissen oder die Stadt bleibt ganz stumm.
"Wir sind froh, dass endlich eine breite Diskussion über Alltagsrassismus und Rechtsextremismus in Dresden angestoßen wird“, erklärt Christian Demuth vom Dresdner Verein Bürger.Courage. Den Feststellungen von Wolfgang Donsbach sei zuzustimmen. Auch Bürger.Courage werde immer wieder von Menschen angesprochen, die Ähnliches schildern. „Uns wurde von Leuten mit dunkler Hautfarbe berichtet, dass sie beispielsweise in Bäckereien nicht bedient wurden, dass sie in aller Öffentlichkeit angepöbelt und bespuckt wurden.“ Diese Probleme offen und ehrlich anzusprechen, sei keineswegs Nestbeschmutzung, sondern das Mindeste in einer Stadt, die gern weltoffen sein möchte.
Bürger.Courage fordert von der Stadtspitze erstens ein wirklich langfristiges Konzept, um stärker gegen Alltagsrassismus und Rechtsextremismus vorzugehen. Das Thema müsse weit mehr beachtet werden als bisher. Zweitens sei die Durchführung einer Studie über die Situation von Alltagsrassismus in Dresden erforderlich. Drittens müsse das gesamte Problem auf der Liste der Prioritäten weiter nach oben. „Die Stadt versteckt sich hinter ihrer schönen barocken Fassade, um keine Touristen zu verschrecken. Das wird auf kurz oder lang nach hinten losgehen“, erklärt Demuth. „Niemand muss in Hysterie oder blinden Aktionismus verfallen. Aber von Dresden aus muss ein deutliches und dauerhaftes Signal in die Welt gehen. Das sind wir allen Betroffenen von Fremdenfeindlichkeit schuldig – und besonders den Angehörigen von Marwa El Sherbini.“
Am Sonntag erreichte Bürger.Courage eine Nachricht von einer Bürgerin: „Leider wollen die Ausländer nicht mehr Dresden besuchen, hier studieren oder wohnen. Der schlechte Ruf wegen dem Rechtsextremismus ist schon ziemlich weit ausgeprägt.“
„Bürger.Courage ist seit mehr als vier Jahren in Dresden gegen Rechtsextremismus aktiv. Seitdem hat die Stadt sehr oft angekündigt, mehr gegen Alltagsrassismus und Rechtsextremismus zu unternehmen. Nach den Pressefesten der NPD in Pappritz. Nach den Angriffen auf die Dönerläden nach dem EMSpiel. Nach jeder Neonazi-Demonstration am 13. Februar. Nach jedem Angriff auf Ausländer in Straßenbahnen oder anderen Orten“, so Demuth weiter. „Es blieb aber bei Lippenbekenntnissen. Oder die Stadt blieb stumm."
Bürger.Courage begrüßt die Ankündigung der Dresdner Stadtspitze auf der Trauerfeier für Marwa S., nach dem Mord mehr gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu unternehmen. Aber: Oft genug gab es diese Ankündigungen, geschehen ist so gut wie nichts. Also wieder nur heiße Luft? Wir fordern ein Ende der Lippenbekenntnise.
"Wir sind froh, dass endlich eine breite Diskussion über Alltagsrassismus und Rechtsextremismus in Dresden angestoßen wird“, erklärt Christian Demuth vom Dresdner Verein Bürger.Courage. Den Feststellungen von Wolfgang Donsbach sei zuzustimmen. Auch Bürger.Courage werde immer wieder von Menschen angesprochen, die Ähnliches schildern. „Uns wurde von Leuten mit dunkler Hautfarbe berichtet, dass sie beispielsweise in Bäckereien nicht bedient wurden, dass sie in aller Öffentlichkeit angepöbelt und bespuckt wurden.“ Diese Probleme offen und ehrlich anzusprechen, sei keineswegs Nestbeschmutzung, sondern das Mindeste in einer Stadt, die gern weltoffen sein möchte.
Bürger.Courage fordert von der Stadtspitze erstens ein wirklich langfristiges Konzept, um stärker gegen Alltagsrassismus und Rechtsextremismus vorzugehen. Das Thema müsse weit mehr beachtet werden als bisher. Zweitens sei die Durchführung einer Studie über die Situation von Alltagsrassismus in Dresden erforderlich. Drittens müsse das gesamte Problem auf der Liste der Prioritäten weiter nach oben. „Die Stadt versteckt sich hinter ihrer schönen barocken Fassade, um keine Touristen zu verschrecken. Das wird auf kurz oder lang nach hinten losgehen“, erklärt Demuth. „Niemand muss in Hysterie oder blinden Aktionismus verfallen. Aber von Dresden aus muss ein deutliches und dauerhaftes Signal in die Welt gehen. Das sind wir allen Betroffenen von Fremdenfeindlichkeit schuldig – und besonders den Angehörigen von Marwa El Sherbini.“
Am Sonntag erreichte Bürger.Courage eine Nachricht von einer Bürgerin: „Leider wollen die Ausländer nicht mehr Dresden besuchen, hier studieren oder wohnen. Der schlechte Ruf wegen dem Rechtsextremismus ist schon ziemlich weit ausgeprägt.“
„Bürger.Courage ist seit mehr als vier Jahren in Dresden gegen Rechtsextremismus aktiv. Seitdem hat die Stadt sehr oft angekündigt, mehr gegen Alltagsrassismus und Rechtsextremismus zu unternehmen. Nach den Pressefesten der NPD in Pappritz. Nach den Angriffen auf die Dönerläden nach dem EM-Spiel. Nach jeder Neonazi-Demonstration am 13. Februar. Nach jedem Angriff auf Ausländer in Straßenbahnen oder anderen Orten“, so Demuth weiter. „Es blieb aber bei Lippenbekenntnissen. Oder die Stadt blieb stumm."
Neben zahlreichen Vereinen und Institutionen ruft auch Bürger.Courage alle Dresdnerinnen und Dresdner auf, an diesem Tag ab 15.00 Uhr zur zentralen Trauerfeier zu erscheinen - zum Zeichen des Gedenkens an die ermordete Marwa S. sowie als Protest gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.
Die ursprünglich aus Ägypten stammende Marwa S. wurde am 1. Juli 2009 während einer Verhandlung, bei der sie als Geschädigte aussagte, am Dresdner Landgericht von dem Angeklagten mit 18 Messerstichen erstochen. Es stellte sich heraus, dass der Täter aus fremdenfeindlichen Motiven gehandelt hatte.
Die Frau hatte nach Medienberichten in Dresden in einer Apotheke gearbeitet. Ihr Mann war am Institut für Ingenieurwesen an der Universität Manoufia nördlich von Kairo beschäftigt. Für seinen Deutschlandaufenthalt hatte er ein Stipendium erhalten.
Der Täter hatte die Frau im Sommer 2008 als „Terroristin“, „Schlampe“ und „Islamistin“ beschimpft, als sie ihn auf einem Spielplatz um einen Platz auf der Schaukel für ihr Kind bat. „Sie haben sie getötet, weil sie ein Kopftuch trug“, zitierte das arabische Nachrichtenportal Moheet.com am Freitag den Bruder der Getöteten. Seine Schwester sei fromm gewesen und habe ihr Kopftuch aus Überzeugung getragen. Für die Beleidigungen war der Mann zu einer Strafe von 780 Euro verurteilt worden und hatte Berufung eingelegt. Zu der Verhandlung am 1. Juli wollte er einen Freispruch erreichen.
Zur Aktion "Gewicht zeigen gegen rechts" bei der BRN 2009 haben sich Menschen mit einem Gesamtgewicht von 78.227 Kilogramm bei Bürger.Courage auf die Waage gestellt - ein schweres Zeichen gegen Nazis. Auch unsere Luftballons waren beliebt...
Seit dem Wochenende ist der einminütige Comicfilm „Zivilcourage im Alltag“ auf den Bildschirmen der Dresdner Straßenbahnen und Bussen zu sehen. Der Kurzfilm entstand auf Initiative von Bürger.Courage und der DVB AG. Er vermittelt konkrete Tipps für das Verhalten bei fremdenfeindlichen Anfeindungen und Übergriffen im Alltag. Sein Inhalt richtet sich nach den Empfehlungen der Polizei.
In der Vergangenheit gab es leider auch in Dresden fremdenfeindliche Übergriffe. Weil dabei mancher Betroffene auf sich allein gestellt blieb, rufen Bürger.Courage und DVB AG zu mehr Zivilcourage auf.
„Wir wollen in dem Comicfilm zeigen, dass Jede und Jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen kann, ohne seine eigene Sicherheit zu gefährden. Dafür braucht es keine Heldentaten, kleine Handlungen reichen häufig schon aus“, so Sven Braune von Bürger.Courage.
„Als großes städtisches Unternehmen sehen wir uns in der Verantwortung, ein Zeichen gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit zu setzen“, beschreibt DVB-Vorstand Hans-Jürgen Credé die Motivation seines Unternehmens.
Der von der Grafikdesignerin Mandy Müller gestaltete Comicfilm kann auch unter www.youtube.com/user/buergerCourage und www.dvb.de angeschaut werden. Weitere Informationen finden Sie hier.
Man muss Nazis nicht immer ernst nehmen. Und weil mittlerweile sowieso jeder und jede angeblich "Gesicht" zeigen will, bietet Bürger.Courage bei der Bunten Republik 2009 am Café Laika (Kamenzer Str. 20) Tonnen von Dresdnerinnen und Dresdnern die Möglichkeit, sich in der Neustadt gegen Rechtsextremismus zu positionieren.
Das Ganze geht ganz einfach: Eine Waage, ein Taschenrechner und eine Tafel zur Bekanntgabe von Zwischenständen und Endergebnis. Auf ein Ziel wollen wir uns nicht festlegen. Aber es sollten schon einige Tonnen zusammenkommen. Weil sich manche Menschen ja schämen, ihr Gewicht öffentlich bekannt zu geben, gibt's ein kleines Bonbon als Dankeschön für's Wiegenlassen. Also viel futtern und vorbei kommen! Die Aktion "Gewicht zeigen gegen rechts" findet am Samstag, den 20. und am Sonntag, den 21. Juni 2009 im Rahmen der "Bunten Republik Neustadt" vorm Café Laika in der Kamenzer Straße 20 statt. Natürlich ist sie mit einem Augenzwinkern zu verstehen und soll dem bunten Charakter der BRN entsprechen.
Anlässlich des Jahrestages der Bücherverbrennung der Nazis legt Bürger.Courage am 10. Mai über 150 Bücher im Großen Garten aus - zum Lesen und Mitnehmen.
Die Pressemitteilung
Am Sonntag, den 10. Mai 2009 können die Dresdnerinnen und Dresdner beim Spaziergang im Großen Garten auf literarische Entdeckungstour gehen. Auf Sitzbänken in der Nähe des Palaisteichs werden etwa 150 Bücher von im Nationalsozialismus verbotenen Autoren zum Lesen und Mitnehmen ausliegen. Damit will der Verein Bürger.Courage in Kooperation mit Bookcrossing an die Bücherverbrennung der Nazis in Dresden vor 76 Jahren erinnern.
Was: Interaktives Kunstprojekt von Bürger.Courage und Bookcrossing anlässlich Jahrestages der Bücherverbrennung in Dresden
Wann: 10. Mai 2009, ab 14.00 Uhr
Wo: Parkbänke im Großen Garten (Nähe Palaisteich)
„Auch die Rechtsextremisten von heute haben sich nicht von ihrer alten Ideologie verabschiedet. Sie fordern weiter ein Viertes Reich und wollen die Demokratie abschaffen.“ so Christian Demuth, Vorsitzender von Bürger.Courage. „Sie täuschen soziale Ziele vor, aber ihre Vorstellungen beruhen weiterhin auf Rassismus, Gewalt und Diktatur. Wer andere politische Ansichten hat, wird bedroht oder auch zusammengeschlagen.“ So wurden vor einer Woche mehrere engagierte Bürger von maskierten Neonazis brutal angegriffen und verprügelt, weil sie vor dem Dresdner Hauptbahnhof mit abwaschbarer Kreide Sprüche wie „Nazifrei am 1. Mai!“ auf den Asphalt gemalt hatten. „Bürger.Courage will mit diesem Projekt erinnern und warnen: Wehret den Anfängen! Setzen Sie sich gegen rechtsextremes Denken ein. Zeigen Sie Zivilcourage und Mut gegen Intoleranz und Gewalt“, so Demuth weiter.
Vor 76 Jahren – am 10. Mai 1933 – verbrannten die Nationalsozialisten mit "düster-feierlichem Pomp" (Erich Kästner) in Berlin, Dresden und anderen Universitätsstädten unter anderem die Bücher von Heinrich Mann, Bertold Brecht und dem Dresdner Erich Kästner. Bereits am 8. März 1933, kurz nach dem Beginn der Terrorherrschaft der Nazis, hatte in Dresden auf dem Wettiner Platz eine der ersten Bücherverbrennungen Deutschlands stattgefunden.
Die Innenminister mehrerer Bundesländer haben eine sehr gute und ausführliche Dokumentation zur Verfassungsfeindlichkeit der NPD vorgelegt. Auch Bürger.Courage empfiehlt deren Lektüre.
Die Dokumentation wird herausgegeben vom Innenministerium des Landes Sachsen-Anhalt. Hier geht's zum Download.
Anlässlich der Demonstration der NPD am 1. Mai in Dresden veranstaltet der Dresdner Tafel e.V. gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern Dresdens ein Demokratiefrühstück am Dresdner Rathaus. Es soll Ausdrucksform einer stillen Mahnwache und des Protests gegen den Neonazi-Aufmarsch sein. Bürger.Courage unterstützt diese Aktion.
Was: Demokratie-Frühstück
Wann: 1. Mai 2009, 9.00-10.00 Uhr
Wo: Dresdner Rathaus, Goldene Pforte
Wer: Dresdner Tafel e.V., Dresdner Bürgerinnen und Bürger
Aufruf der VeranstalterInnen
Aus Anlass der angekündigten 1. Mai Demonstration der NPD laden wir die Dresdnerinnen und Dresdner ein, sich an diesem Tag, 9 Uhr, still (ohne RednerInnen) am Rathaus zu versammeln und so symbolisch ihren Protest zu zeigen.
Wir halten zu dieser morgentlichen Stunde Kaffee, Tee, Brötchen, Aufstriche, Belag, Würstchen und Sitzgelegenheiten bereit. Gern kann unser Frühstücksangebot für sich selbst oder andere noch bereichert werden.
Das Demokratie-Frühstück ist eine gemeinsame Initiative von Dresdner Bürgerinnen und Bürgern und des Dresdner Tafel e.V. Auch zukünftig wollen wir, wann immer Nazis zu einer Demonstration durch Dresden aufrufen, zu einem Demokratie-Frühstück am Rathaus einladen. Wer mithelfen möchte, schreibt bitte an demokratiefruehstueck@email.de. Auch für dieses erste Mal werden von 7:00 Uhr bis ca. 11:00 Uhr noch HelferInnen benötigt (Tischgarnituren aufstellen, Frühstücksangebot anrichten, aufräumen).
Hintergrund
Dass Rechtsextreme rassistische und antisemitische Propaganda betreiben, ist vielen bekannt. Aber die soziale Dimension der Propaganda der Neonazis wird häufig übersehen. Der Aufmarsch von Neonazis am 1. Mai zeugt von dem Missbrauch sozialer Fragen und der Instrumentalisierung der Kapitalismuskritik durch Neonazis.
Deshalb: Es ist wichtig, die Bedeutung von Antikapitalismus und Sozialdemagogie bei den Rechtsextremisten zu erkennen und zu durchschauen.
Der gesetzliche Feiertag des 1. Mai geht zurück auf das Jahr 1886, in welchem in Chicago ein mehrtägiger, von den Gewerkschaften organisierter Streik für eine Reduzierung der täglichen Arbeitszeit von zwölf auf acht Stunden begann.
Zum Gedenken an diese konfliktreichen Ereignisse wurde 1889 der 1. Mai von einem weltweiten Treffen von 168 sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien und politischen Organisationen zum „Kampftag der Arbeiterbewegung“ erklärt und 1890 erstmalig als „Protest- und Gedenktag“ an die Opfer des Generalstreik 1886 weltweit begangen.
In Deutschland bestimmte die Weimarer Nationalversammlung erstmals den 1. Mai 1919 zum gesetzlichen Feiertag, allerdings nur einmalig. Weitere Versuche, den Tag über 1919 hinaus als gesetzlichen Feiertag festzulegen, konnten noch nicht durchgesetzt werden.
Erst Hitler bestimmte ihn 1933 zum „Feiertag der nationalen Arbeit“ und verband damit die Integration der Arbeiterschaft in die nationalsozialistische "Volksgemeinschaft" zu den Maifeiern 1933. Am 2. Mai ließ Hitler die Gewerkschaften zerschlagen, ihre Häuser von SA- und SS-Trupps besetzen und zahlreiche Funktionäre verhaften.
Der 1. Mai diente dem Regime Hitlers als Kulisse für pathetische Massenveranstaltungen, wie Paraden, Aufmärsche und Leistungsschauen der deutschen Industrie.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der 1. Mai 1946 durch den alliierten Kontrollrat bestätigt. Maikundgebungen durften jedoch nur in beschränkter Form durchgeführt werden.
In Reaktion auf die Soziale Bewegung für eine katholische Soziallehre wurde der 01. Mai 1955 von Papst Pius XII. zum Gedenktag des heiligen Joseph des Arbeiters erklärt; der Ehemann Mariens und Nährvater Jesu war laut der Bibel als tektôn (Bauhandwerker) tätig und gilt traditionell als Patron der Arbeiter.
In Deutschland wird der 1. Mai heute als "Tag der Arbeit" bundesweit von den Gewerkschaften und vielen politischen Initiativen & Organisationen genutzt, um mit Demonstrationen, auf Kundgebungen oder an Infoständen über das eigene gesellschaftliche Engagement zu berichten und Forderungen an politisch Verantwortliche zu richten, die das Wohlbefinden aller Menschen im Blick haben.
Die Basis legitimer demokratischer Forderungen sind die politischen Grundlagen der Menschenwürde, der individuellen Freiheit, der sozialen Gerechtigkeit, Frieden und Völkerversöhnung.
Auf dieser Basis erkennt unser politisch pluralistisches System die bestehenden unterschiedlichen Interessen und politischen Positionen der Bürgerinnen und Bürger an und betrachtet deren individuelle Verwirklichung, Vertretung und Artikulation als legitim und erwünscht (Freiheit jedes Einzelnen) verbunden mit der Möglichkeit, sich zu organisieren, um Interessen und Auffassungen gemeinsam zu vertreten (Vereinigungsfreiheit). Alles, was nicht auf der allgemein politischen Ebene geregelt werden muss, soll gesellschaftlichen Akteuren überlassen werden (Subsidaritätsprinzip).
Dieser gesellschaftliche Pluralismus ist neben der Gewaltenteilung und der verfassungsmäßig garantierten Grundrechte, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie ein wesentlicher Garant für Freiheit und Selbstbestimmung.
Die nationale und totalitäre Ideologie - der NPD und neuer Nazis, freier Kräfte und anderer - ist an Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftlichem Pluralismus nicht interessiert und stellt eine Gefahr dar. Ein Verweis auf die Zunahme von national-motivierter Gewalt soll an dieser Stelle genügen.
Bürger.Courage gewinnt Preis beim Best-Practice-Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ 2008.
Am 31.3. 2009 bekam Bürger.Courage den mit 3000 € dotierten Preis in Erfurt von der Bundestagsabgeordneten Monika Lazar überreicht.
In Erkennung der Projektarbeit 2008 wurde Bürger.Courage vom Beirat des Bündnisses für Demokratie und Toleranz unter ca. 200 Mitbewerber_innen ausgewählt. Für die Region Thüringen/Sachsen gab es in Erfurt insgesamt 5 ausgezeichnete Initiativen. Bei der Preisverleihung vorort Bürger.Courage-Fördermitglied und Fraktionsvorsitzender der SPD Sachsen Martin Duhlig. Bürger.Courage freut sich bereits über die zweite Auszeichnung durch das Bündnis (2006 und 2008) und sieht hierin eine Bestätigung des Engagements für eine humanistischere Gesellschaft, frei von Rassismus und Diskriminierung.
Dank Ordnungsamt, Polizei und CDU-Stadtspitze wird Dresden auch 2010 wieder Pilgerstätte für Nazis aus ganz Europa sein. Zwar konnte dank zahlreicher friedlicher Protestaktionen verhindert werden, dass die Neonazis an symbolträchtigen Orten der Innenstadt marschierten, aber den Demokraten wurde es teilweise sehr schwer gemacht, ihren Protest den Nazis gegenüber deutlich zu machen.
Bürger.Courage spricht angesichts der Protestaktionen am 13. und 14. Februar von einem „Erfolg mit bitterem Beigeschmack“. Dank zahlreicher Protestanmeldungen verschiedener Demonstrationsbündnisse konnte verhindert werden, dass die Neonazis an symbolträchtigen Orten der Innenstadt – etwa der Synagoge – marschierten. Außerdem ist es den Veranstaltern erstmals gelungen, Prominenz aus Politik und Gesellschaft, aber auch eine große Zahl an Bürgerinnen und Bürger aus ganz Deutschland zu mobilisieren, um sich mit den tausenden Protestierenden aus Dresden kreativ, friedlich und laut solidarisch zu zeigen.
Doch nicht alle können sich zufrieden auf die Schulter klopfen. Christian Demuth, Vorstandsvorsitzender von Bürger.Courage, kritisiert die Stadtspitze und -verwaltung. „Weit vor 13.00 Uhr, dem Beginn der Sternmärsche der „GehDenken“-Demonstrationen, wurde der Straßenbahnverkehr eingestellt und ganze Straßenzüge inkl. Nebenstraßen gesperrt, so dass viele Bürgerinnen und Bürger nur noch schwer zu den Demonstrationen gelangen konnten.“ Daneben wurden Demonstranten rund um den Theaterplatz nicht zu den Protestveranstaltungen durchgelassen. „Bürgerliche Demonstranten wurden kriminalisiert und drangsaliert. Den Demokraten wurde es teilweise so schwer wie möglich gemacht, ihren Protest den Nazis gegenüber deutlich zu machen“.
Während in Städten wie Lübeck Nazirouten im Vorfeld mit den Bürgern abgesprochen werden, marschierten die Neonazis ohne jede „Belästigung“ durch die Dresdner Innenstadt. Nazi-Gewalttäter dürfen am 13.02. mit offenem Feuer laufen, während auf den bürgerlichen Gegendemonstrationen peinlichst genau darauf geachtet wurde, dass keine Fahnenstange größer als 1,50m mitgeführt wurde. Anscheinend verwechselt man, von wem hier die Gefahr ausgeht.
Schwere Vorwürfe erhebt Bürger.Courage gegenüber der Polizei: „Die Deeskalationsstrategie der Polizei war ein völliger Misserfolg“, sagte Demuth. Mehrere Male ging die Polizei völlig unverhältnismäßig gegen linke Demonstranten vor. Ob dieser Strategie eine politische Motivation zugrunde lag, darüber könne man nur spekulieren, sagte Demuth: „Ich frage mich, ob es nicht im Sinne einiger Politiker in Dresden war, linksradikale Gewaltbereite zu provozieren, um hierdurch eine nachträgliche Argumentation für ihre Nichtbeteiligung an den Gegendemonstrationen zu erhalten“.
Auch sei es „enttäuschend, dass die Oberbürgermeisterin keine Rede auf dem Theaterplatz gehalten hat und es nur bei Lippenbekenntnissen gegen Rechts auf dem Heidefriedhof blieb. Es galt wohl wieder einmal vordergründig für Ruhe und Ordnung zu sorgen – wohl auch innerhalb der CDU“. Schon im Vorfeld hatte die Dresdner CDU den friedlichen Protest als linke Krawallmacherei bezeichnet und Erstunterzeichnern von „GehDenken“ wie Richard von Weizsäcker in die Nähe von linksradikalen Autonomen gerückt. Bürger.Courage fordert die Stadtspitze auf, ihre Doppelmoral aufzugeben. „Den deutlichen Worten von Frau Orosz auf dem Heidefriedhof und dem von ihr initiierten stillen Gedenken müssen im nächsten Jahr Taten folgen! Die Dresdner CDU als derzeit stärkste politische Kraft der Stadt muss sich an den friedlichen Protestaktionen beteiligen - andernfalls werden die Neonazis ewig durch Dresden marschieren "
Bürger.Courage eröffnete am 1. Februar einen Infokiosk am Goldenen Reiter. Vierzehn Tage lang können sich Dresdnerinnen und Dresder zu den Hintergründen des 13. & 14. Februars informieren.
Seit Monaten steht der Umgang mit dem angekündigten Neonaziaufmarsch am 14. Februar im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussionen. Die Frage nach den Hintergründen des alljährlichen Nazispuks bleibt jedoch häufig im Dunkeln. Warum kommen eigentlich Tausende von Rechtsextremen ausgerechnet nach Dresden? Schließlich fielen auch andere Städte der Zerstörung zum Opfer. Wieso gelingt es den Neonazis alljährlich in Dresden Aufmärsche dieser Größenordnung zu organisieren, während sie anderen Städten längst fernbleiben? Bürger.Courage versucht Antworten zu finden. Vom 1. bis zum 14. Februar ist für die Bürgerinnen und Bürger täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr ein Informationskiosk am Goldenen Reiter geöffnet.
Schautafeln informieren über die Hintergründe der rechten Strukturen in Dresden und den Nutzen bürgerlichen Engagements. Über Audioinstallation werden befragte Dresdnerinnen und Dresdner zu hören sein, die sich zu ihrem ganz persönlichen Umgang mit den Neonaziaufmärschen äußern.
Vereinsvorsitzender Christian Demuth erklärt den Hintergrund für das Informationsprojekt: „In den vergangen Jahren haben wir immer wieder feststellen müssen, dass viele Dresdnerinnen und Dresdner den friedlichen Protestaktivitäten der Kirchen, Verbände und Parteien fernbleiben. Häufig wissen die Dresdner über die wahren Absichten der Neonazis nicht Bescheid oder sie sind schlecht über das Anliegen der demokratischen Gegenkräfte informiert. Wenn Neonazis in gut zwei Wochen durch Dresden marschieren, soll keiner mehr sagen können, er habe nicht gewusst, wer und was hinter den so genannten 'Trauermärschen' steckt und was man dagegen tun kann."
Anlässlich des 70. Jahrestages der „Reichspogromnacht“ wurde am Sonntag, den 9.
November, ein Kunstprojekt unter dem Motto„Wehret den Anfängen“ von Bürger.Courage
an der Elbe eröffnet.
Auf den Elbwiesen ist ein „Schilderwald“ entstanden. Jedes Schild dokumentiert exemplarisch für ganz Sachsen rechtsextreme Vorkommnisse in Dresden – etwa Brandanschläge, Gewalttaten oder Propagandadelikte. Die einzelnen Taten gehen wegen der schieren Mengen unter und müssen erst neu entdeckt werden. Jeder ist eingeladen sich im Schilderwald auf die Suche zu begeben, um sich den längst vergessenen Straftaten und Opfern bewusst zu werden.
CDU Kreisvorsitzender Lars Rohwer beleidigt alle Demokraten dieser Stadt.
Der CDU Kreisvorsitzende Lars Rohwer hat in einem Interview indirekt Kirchen, die Gewerkschaften, Initiativen, Hochschulen und demokratische Vertreter - wie etwa den Alt-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (CDU) - als "linke Chaoten" beschimpft und gleichzeitig die Neonazis als "rechte Chaoten" relativiert. Demonstrationen sind ein legitimes Mittel und gesunder Ausdruck einer demokratischen Gesellschaft, weshalb sich Lars Rohwer die Frage gefallen lassen muss, was er für ein Demokratieverständnis besitzt. Bürger.Courage fordert die Sächsische CDU auf, sich dem breiten Bündnis unter dem Motto „GehDenken“ zu einer friedlichen, bürgerlichen Demonstration am 14. Februar 2009 in der Dresdner Innenstadt anzuschließen.
Die Zahl der rechten Straftaten in Sachsen ist in den ersten zehn Monaten dieses Jahres um 19 Prozent gestiegen.
Vor diesem Hintergrund wurde die Extremismus-Sonderkommission „Soko Rex“ von 18 auf 30 Mitarbeiter aufgestockt, wie Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) am Mittwoch in Dresden sagte. In diesem Jahr wurden seinen Angaben zufolge bisher 1808 rechte Straftaten, überwiegend Propagandadelikte, registriert. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 1518. Bei Gewalttaten gab es eine Steigerung von 77 auf 86.
Nach Einschätzung des Landeskriminalamtes (LKA) hat der Organisationsgrad der rechtsextremen Szene nachgelassen. Dafür gebe es aber mehr punktuelle Treffen und lose Zusammenschlüsse, sagte LKA- Präsident Paul Scholz. Straftaten würden überwiegend nicht aus einer organisierten rechtsextremen Struktur heraus begangen, sondern vielmehr von Mitläufern und Personen, die sich der rechten Szene verbunden fühlten.
Zusammen mit den Mobilen Einsatz- und Fahndungsgruppen der Polizei solle die „Soko Rex“ den Druck auf der Szene erhöhen, sagte Landespolizeipräsident Bernd Merbitz. Er kündigte verstärkte Kontrollen von Szenetreffs etwa vor Skinhead-Konzerten an, „so dass die Szene die Lust an solchen Treffen verliert“. „Es ist nicht mehr der Postmann, wenn es morgens um sechs Uhr klingelt. Nein, es ist die “Soko Rex“.“ Zudem solle die Soko technisch auf den neusten Stand gebracht werden, sagte Merbitz.
Die Generalstaatsanwaltschaft habe eine schnelle Strafverfolgung der Justiz zugesichert, sagte Merbitz. Außerdem solle die Zusammenarbeit der gesellschaftlichen Kräfte - von Sportvereinen bis zu Parteien - im Landespräventionsrat gebündelt werden. „Bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus sind wir nicht auf ein Mitwirken der Linken angewiesen“, schränkte Innenminister Buttolo auf Nachfrage ein.
Die „Soko Rex“ existiert seit 1991 in unterschiedlicher Stärke, die sich aus veränderten Polizeistrukturen ergab. Sie hat nunmehr vier regionale Ermittlungsabschnitte: Zu Dresden, Chemnitz und Leipzig kam jetzt Bautzen hinzu. Chemnitz und Dresden wurden zudem personell verstärkt. Der rechten Szene solle deutlich gezeigt werden: „Wir sind wieder da.“ (dpa)
Die Thesen Flaths sind ein schwerer Rückschlag für alle Bemühungen gegen den Rechtsextremismus
„Die Thesen Steffen Flaths sind ein Rückschlag für alle Bemühungen in Sachsen, den Rechtsextremismus in Sachsen zurückzudrängen“, kommentierte der Vorsitzende von Bürger.Courage, Christian Demuth. „Es ist aber allzu offensichtlich, dass die Strategie der CDU der letzten 20 Jahre gescheitert ist.“ Keineswegs seien nämlich die Ideen Flaths wirklich neu: Es war bis vor wenigen Jahren hingegen der Normalfall, dass sich die CDU an Bündnissen gegen Neonazis nicht beteiligte. „Dies hat aber auch nicht den Rechtsextremismus zurückgedrängt – im Gegenteil“. Dies zeigten nicht nur die Wahlergebnisse, sondern auch die erneute Zunahme rechtsextremer Straftaten im letzten Jahr.
Bürger.Courage wurde beim Vereinswettbewerb der Ostsächsischen Sparkasse Dresden in der Kategorie »Soziales« zum Verein des Jahres 2007 gewählt.
Wir widmen diesen Preis den Initiativen und Personen, die sich im ländlichen Raum und unter weitaus schwierigeren Bedingungen als wir es tun, für ein demokratisches Gemeinwesen einsetzen. Wir hoffen, dass unsere Arbeit viele Nachahmer findet. Denn wir dürfen nicht vergessen: Das nun schon dreijährige Engagement von Bürger.Courage war und ist immer nur möglich, weil Hunderte von Dresdner Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich an den Projekten mitgearbeitet haben.
Das Projekt »Hotel Migration« ist erfolgreich verlaufen. Bis 26. April besuchten über 1000 Dresdner die Ausstellung über Migration in Dresden.
Die Dresdner Eishockey Mannschaft wäre ohne Migranten ziemlich dünn besetzt. Und wer könnte sich ein Dresden ohne das vom Migranten Gottfried Semper erbaute Opernhaus vorstellen? www.hotel-migration.de Kurz-Informationen zum Projekt
Am Mittwoch, den 5. März, wurde das Stück »Jagdzeit« im Projekttheater uraufgeführt.
»Jagdzeit« ist die Geschichte von Tätern die gleichzeitig Opfer der Gesellschaft sind. Das Stück beschäftigt sich mit Parallelen in der Gruppendynamik zweier Generationen und mit vorhandenem Hass gegen Schwächere, Andersdenkende und Fremde. Hintergründe und Aufführungstermine
Gedenken heißt, gegen Nazis sein! Unter diesem Motto standen unserer Projekte zum 13.Februar, dem Jahrestag der Bombardierung Dresdens.
Banner gegen den Naziaufmarsch
Wie bereits im letzten Jahr befestigten wir vor dem 13. Februar Banner an Gebäuden der Dresdner Innenstadt. Zentrale Aussage: Die Vereinnahmung des friedlichen Gedenkens am 13. Februar durch Neonazis nehmen wir nicht hin. Gleichzeitig wollten wir damit Dresdner Bürgerinnen und Bürger auf Möglichkeiten des friedlichen Protests aufmerksam machen. Bilder der Banner vom vergangenen Jahr Bannerprojekt 2007
Beamerprojektion »Die Zerstörung Dresdens begann 1933«
Wo: Wiener Platz/Hauptbahnhof (unter freiem Himmel)
Wann: 13.Februar, 16 -20 Uhr
Am 13. Februar 2008 zeigten wir am Wiener Platz/Hauptbahnhof Fotos von Dresden aus den Jahren 1933-1945. Die Beamerprojektion thematisierte die Zerstörung Dresdens, die schon 1933 begann: Mit der Unterdrückung der Meinungsfreiheit, mit dem Terror der SA auf den Straßen, mit der Hetze gegen jüdische Mitbürger, mit der Gleichschaltung des politischen, kulturellen und öffentlichen Lebens.
Informationsaktionen:
Am 13. Februar fanden Info-Aktionen in der Prager Straße und an weiteren Orten in der Altstadt statt.
Unterstützung von Demonstrationen
Am 16. Februar unterstützte Bürger.Courage die geplanten Demonstrationen gegen den angekündigten Neonazi-Aufmarsch der rechtsextremen Gruppierung »Junge Landsmannschaft Ostdeutschland«. Deren so genannter »Trauermarsch« anlässlich des 13. Februars wird wieder eine der bundesweit größten Demonstrationen von Neonazis sein. Jedes Jahr versammeln sich um den 13. Februar tausende Rechtsextreme in Dresden, um mit revisionistischen und revanchistischen Parolen das friedliche und aufrichtige Gedenken an die Bombardierung Dresdens zu konterkarieren.
Straßentheaterperformance
Am 9. Februar zeigte Bürger.Courage zusammen mit Schülerinnnen und Schülern des Dresdner Kreuzgymnasiums eine Straßentheaterperformance zum Thema »Bedrohung unserer Grundrechte« in der Dresdner Innenstadt. Die Würde des Menschen ist antastbar Bildergalerie zum Projekt
Vom 27. bis 30. Januar fand auf der Hauptstraße das Kunstprojekt »Tonspur« statt. Es erinnerte an den Beginn der Nazi-Terrorherrschaft.
In Zusammenarbeit mit der Dreikönigskirche und dem Tonkünstler Christian Zimmermann inszenierte Bürger.Courage den »Schwur auf die Freiheit«. Die Toninstallation war vom 27. Januar bis 30 Januar, täglich von 10 bis 19 Uhr, auf der Hauptstraße zu erleben. Bilder und Aufnahmen vom Tonspur-Projekt
Für unser Engagement gegen Rechtsextremismus erhielten wir am 26. November 2007 den Regine-Hildebrandt-Preis.
Der 26. November ist der Jahrestag des Todes der SPD-Politikerin. Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde gedrittelt und ging auch an den Berliner Verein »OWEN« und den Internationalen Jugendverein »Jugend für Dora« in Nordhausen (Thüringen). Der Preis erinnert an die 2001 gestorbene brandenburgische Sozialministerin Regine Hildebrandt (SPD) und wird in der Berliner Parteizentrale der SPD übergeben. Zur Pressemitteilung
Mit einem Auftaktworkshop beginnen am Sonnabend, den 1. Dezember, die Vorbereitungen zum Bürger.Courage-Projekt »Grundrechtelos«.
Unter professioneller Anleitung eines Theaterpädagogen wird in den kommenden Wochen mit Schülern des Dresdner Kreuzgymnasiums eine Straßentheater-Performance zum Thema »Bedrohung der Grundrechte« entwickelt. Anfang des Jahres 2008 werden die Ergebnisse der Arbeit in der Dresdner Innenstadt zu sehen sein. Mehr Informationen
Im Interview mit der Sächsischen Zeitung spricht Christian Demuth, Vorsitzender von Bürger.Courage, über den Umgang mit Rechtsexremismus in Dresden und Sachsen.
Sich mit Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit auseinanderzusetzen, bedeutet Zeit- und Kostenaufwand. Aber der lohnt sich! In Leipzig zum Beispiel haben die Nazis die Lust am Demonstrieren verloren, denn die Stadt hat ihnen über Jahre Probleme gemacht. In Dresden allerdings findet jährlich zum 13. Februar einer der größten Nazi-Aufmärsche Deutschlands statt.
»Die neuen Woyzecks« – so heißt die Konferenz, die am 10. und 11. November im Kleinen Haus in Dresden stattfindet. Es gibt Theater, Vorträge und Diskussionen zum Thema Rechtsextremismus und Gewalt von Jugendlichen im Osten Deutschlands.
Theater und politisches Engagement für Demokratie kommen zusammen: Eröffnet wird die Konferenz am 10.November mit einer Bestandsaufnahme des Rechtsextremismus und der rechtsextremen Jugendkulturen in Ostdeutschland. Anschließend gibt es Vorträge zum Problem von (jugendlicher) Gewalt und Gewalt der rechten Szene. Die einzelnen Themenkomplexe werden jeweils von einer abschließenden Diskussion begleitet. Der Tag wird durch Georg Büchners Theaterstück »Woyzeck« im Schauspielhaus Dresden kulturell abgerundet.
Der zweite Konferenztag widmet sich dem Thema »Gegenstrategien«. Dazu werden Möglichkeiten und Chancen demokratischer Intervention besprochen. Eingeleitet von Andres Veiels und Gesine Schmidts Stück »Der Kick« im Schauspielhaus Dresden, bieten anschließende Podiumsgespräche die Möglichkeit zum interaktiven Austausch, Platz für Diskussionen, Fragen und Lösungsansätze. Zum Abschluß der Konferenz diskutieren unter anderem Dr. Albrecht Butollo, Innenminister Sachsens, und Dr. Cornelius Weiß, Alterspräsident des Sächsischen Landtags, die Frage und Aufforderung »Was tun?!«.
Rechtsextreme vor die Tür zu setzen, ist die richtige Entscheidung! Dresdner Unternehmen und Institutionen sollten sich ein Beispiel am Geschäftsführer des Tagungshotels Holiday-Inn, Johannes Lohmeyer, nehmen. Er servierte die NPD einfach ab.
Johannes Lohmeyer ließ Mitte Oktober eine Buchung des sächsischen NPD-Fraktionschefs Holger Apfel und dessen Stellvertreters Axel Delle stornieren, wie die tageszeitung am 20.Oktober 2007 berichtete.
Lohmeyers Begründung: Vertreter der NPD sind in seinem Haus nicht erwünscht. Er könne seinen Mitarbeitern nicht zumuten, diese »zu begrüßen und zu bedienen«. Außerdem: »Wir sind einigermaßen erstaunt, dass Sie (die NPD) ausgerechnet ein amerikanisches Hotelunternehmen mit ausländisch klingenden Namen bevorzugen.«
Apfel und Delle hatten über einen Reservierungsservice im Internet zwei Zimmer gebucht. Aus Sorge, dass die Stornierung wegen der Vertragsvereinbarung zwischen dem Hotel und dem Service misslingen könnte, kündigte Lohmeyer an, die durch Apfel und Delle »getätigten Umsätze unmittelbar als Spende an die Dresdener Synagoge« weiterzuleiten. »Als kleine Wiedergutmachung für die Schäden, die ihre damaligen Gesinnungsgenossen der Synagoge und vor allem ihren früheren Besucher zugefügt haben«, schrieb Lohmeyer in einem offen Brief an die NPD-Fraktion. Der Buchungsservice zog mit.
Bürger.Courage begrüßt die Haltung von Johannes Lohmeyer. Dies ist ein der richtige Umgang mit Rechtsextremen und eine deutliche Positionierung: Neonazis haben in diesem Hotel keinen Zutritt und keine »Bühne«! Nicht als Privatpersonen, nicht als Parteifunktionäre in den Tagungsräumen!
In der Vergangenheit hat Bürger.Courage wiederholt festgestellt, dass Dresdner Unternehmen und Institutionen sich nicht klar gegen Rechtsextremismus bekennen wollen. Oft werden wirtschaftliche Zwänge, interne Ressourcenknappheit und auch die Gefahr des »Vergraulens« potentieller Kunden als Argumente angeführt – unabhängig von Größe und Bekanntheitsgrad des Unternehmens. Überhaupt gehöre zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rechtsextremismus nicht zur Aufgabe der Wirtschaft. Man müsse schließlich Geld verdienen!
Klar, dass in Gebieten mit schwacher Infrastruktur und sinkenden Einwohnerzahlen, die finanzielle Verlockung groß ist, wenn die NPD Hotelzimmer, Tagungsräume oder die Bewirtung für Parteiveranstaltungen buchen will. Aber auch für »Lößnitz-Druck« in Radebeul scheint es lukrativ zu sein, NPD-Propagandamaterial zu drucken und so bei der Verbreitung aggressiver Nazi-Parolen mitzuwirken.
Wir haben hierzu eine klare Position: Wer mit der NPD bewusst Geschäfte macht, bekennt sich zum Umgang mit Rassisten, Antisemiten, Fremdenhassern und Antidemokraten. Er trägt zur Verfestigung rechtsextremer Strukturen bei. Umso wichtiger, dass das couragierte Verhalten von Johannes Lohmeyer, Geschäftsführer eines privatwirtschaftlichen Hotel-Unternehmens, kein positiver Einzelfall bleibt.
Das Kunstprojekt wird vom 26. September bis 2. Oktober auf der Prager Straße eindrucksvoll zeigen, auf welche Weise unsere Grundrechte bedroht sind.
Wir installieren ein symbolisches Mahnmal in der Innenstadt Dresdens: Wer oder was bedroht unsere Grundrechte? Warum muss unsere Demokratie wehrhaft sein? Die Kunstinstalation »SICHER aus gutem Grund?« soll die Passanten zum Nachdenken und diskutieren anregen.
Die neue, verschärfte Stadionordnung des Fußball-Regionalligisten untersagt unter anderem Kleidung der Marke »Thor Steinar« zu tragen.
Es ist zukünftig allen Besuchern das Äußern oder Zuschautragen von rassistischen, fremdenfeindlichen, gewaltverherrlichenden, antisemitischen, diskriminierenden sowie rechts- und/oder linksradikalen Parolen und Symbolen untersagt.
Nach der neuen Stadionordnung wird jenen der Zutritt zum um Rudolf-Harbig-Stadion verweigert, die »rassistisches, fremdenfeindliches, antisemitisches, gewaltverherrlichendes, diskriminierendes sowie rechts- und/oder linksradikales Propagandamaterial mit sich führen. Gleichwohl wird allen Personen ebenfalls der Zugang verwehrt, die Kleidung tragen, die Schriftzüge oder Symbole mit eindeutiger rassistischer, fremdenfeindlicher, gewaltverherrlichender, diskriminierender sowie rechts- und/oder linksradikaler Tendenz aufweist. Ein Betreten des Stadion mit Kleidung des Labels ›Thor Steinar‹ wird zukünftig grundsätzlich untersagt.«
Bürger.Courage begrüßt den Schritt von Dynamo Dresden, zumal wir seit längerem für ein solches Verbot werben – unter anderem in einem Gespräch mit Hauke Haensel, dem Präsidenten von Dynamo Dresden.
Hintergrund Thor Steinar: Hinter »Thor Steinar« steht die das rechte Spektrum unterstützende MediaTex GmbH. Thor Steinar wurde gezielt als Marke für die »Mischszene« etabliert. Das heißt, die Marke ist tragbar auch für jene, die (noch) nicht offen mit rechtem Gedankengut sympathisieren. Dennoch tragen sie Bekleidung einer Marke des Rechten Spektrums, die auf die Runensymbolik der Nazizeit Bezug nimmt.
In Dresden Pappritz ist das Forum gegen Rechts gescheitert. Ein Grund: Viele sächsische Entscheidungsträger setzen sich nicht mit Rechtsextremismus auseinander. Sie sind nicht bereit, aktiv gegen Rechtes Denken vorzugehen.
Wir fordern die Landesregierung auf, mit gutem Beispiel voranzugehen: Vor allem der sächsische Ministerpräsident und CDU-Vorsitzende Georg Milbradt muss sich klar gegen Rechts positionieren.
Die Sächsische Landesregierung muss durch symbolische und instrumentelle Unterstützung zivilgesellschaftliches Engagement stärken und Entscheidungsträgern deren Verantwortung für die wehrhafte Demokratie in Deutschland verdeutlichen. Die Einrichtung des Programms »Weltoffenes Sachsen« sei ein erfolgreicher, wenn auch später Schritt. Diese Politik muss aber weiterentwickelt werden. Dazu gehören unter anderem die Einrichtung eines effektiven Landespräventionsrates, sowie eine prioritäre Behandlung des Themas im Kultus- und Sozialministerium.
Im sächsischen Mügeln sind acht Inder von etwa 50 Deutschen in einer Treibjagd durch die Stadt gehetzt worden. Bürger.Courage fordert ein Ende der Strategie des Verschweigens. Die Landesregierung sowie sächsische Kommunen und Insitutionen müssen sich deutlich gegen Rechts positionieren.
In der Nacht zum Sonntag, den 19. August, griffen bei einem Stadtfest in Mügeln etwa 50 junge Deutsche acht Inder brutal an. Es gab neben untätigen Gaffern wohl auch ausländerfeindliche Rufe.
Der Vorfall ist kein Einzelfall: Die Entwicklungen in der Sächsischen Schweiz, der Überfall von Rechten auf eine Theatergruppe in Halberstadt im Juni dieses Jahres oder die Angriffe auf ausländische Fahrgäste in Dresdner Straßenbahnen in diesem Sommer sind nur einige weitere Beispiele. Sachsen entwickelt sich zum Zentrum des deutschen Rechtsextremismus.
Wir fordern die Sächsische Landesregierung dazu auf, zivilgesellschaftliches Engagement symbolisch und materiell mehr zu unterstützen. Ein erster Schritt wäre die Gründung eines Landespräventionsrates, vor allem um den wachsenden Alltagsrassismus vorzubeugen. Die Landesregierung, die Kommunen und sächische Institutionen müssen mit gutem Beispiel vorangehen, mehr Verantwortung übernehmen und sich klar gegen Rechts positionieren.
Für ideenreiches Engagement gegen Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierung erhielt Bürger.Courage einen mit 5.000 Euro dotierten Preis.
Bürger.Courage ist Preisträger im bundesweiten Wettbewerb »Aktiv für Demokratie und Toleranz 2006«, den das »Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt« veranstaltet.
Den mit 5.000 Euro dotierten Preis bekam Bürger.Courage im Rahmen eines Festaktes von Thomas Jurk, stellvertretender Sächsischer Ministerpräsident und Wirtschaftsminister, überreicht.
Sächsische Preisträger neben dem Bürger.Courage e.V. sind das Antidiskriminierungsbüro e.V. (Leipzig); der Jugendbildungsverein Sachsen e.V. (Dresden); der Förderverein Schulmuseum – Werkstatt für Schulgeschichte Leipzig e.V.; »Wir gemeinsam in Zwickau« e.V. und das Netzwerk für Demokratie und Kultur Wurzen.
Programm
13.00 Uhr: Begrüßung, Thomas Jurk (stellvertretender Sächsischer Ministerpräsident und Wirtschaftsminister)
13.10 Uhr: Rede für das Bündnis für Demokratie und Toleranz, Herr Dr. Rosenthal
13.20 Uhr: Laudatio auf die Preisträger, Frau Dr. Sonntag-Wolgast und Frau Lazar, Beiratsmitglieder des Bündnisses
13.30 Uhr: Verleihung der Urkunden und anschließend je fünfminütige Projektvorstellungen
14.00 Uhr: Empfang
Wettbewerb »Aktiv für Demokratie und Toleranz 2006«
Das »Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt« will Kräfte bündeln, die sich für Demokratie und gegen Rechtes Denken engagieren. Dazu gehört auch, erfolgreiche und nachahmbare Aktivitäten zu dokumentieren und weiter zu empfehlen.
Mit dem Wettbewerbs »Aktiv für Demokratie und Toleranz« werden gelungene Projekte gesammelt und ausgewählte finanziell unterstützt. Dabei geht es nicht darum, die »einzigartige« Aktion aufzuspüren, sondern die Vielfalt und die Breite der Konzepte aufzeigen. Jede und jeder kann in seinem Lebensbereich etwas tun! Mit Preisen zwischen 1000 und 5000 Euro werden die Leistungen honoriert. Das hilft insbesondere auch kleinen Gruppen, die oft mit knappsten Mitteln viel bewirken. Der Beirat des »Bündnisses« fungiert als Jury.
Die Sammlung und Auszeichnung alltäglichen Engagements dient auch dazu, Modelle an Interessierte weiter zu vermitteln, damit diese aus den guten Erfahrungen, aber auch von Widrigkeiten lernen können. Informationen und Anregegungen gibt es unter: www.buendnis-toleranz.de
»Für ein friedliches, demokratisches und tolerantes Dresden!« Das war das Motto der Bunten Nachbarschaft.
Auch in diesem Jahr haben die Bewohnerinnen und Bewohner der Dresdner Neustadt wieder bunt bemalte Tücher aus ihren Fenstern gehängt. Bis Ende Juni werden die symbolischen Statements die Fassaden der Neustadt zieren.
Damit wird die antirassistische und tolerante Lebenseinstellung Dresdens und die Vielfalt des Stadtteils »Äußere Neustadt« nach außen sichtbar gemacht. Wir setzen alle zusammen ein unübersehbares, buntes Zeichen gegen Gewalt, gegen rechtsextremes Denken und vor allem gegen Alltagsrassismus. Einen Rückblick in Bildern gibt es hier:
Anfang Juni wurden ein amerikanischer, dunkelhäutiger Gaststudent und ein TU-Dozent in einem Bus in Dresden Strehlen gewalttätig angegriffen. Rassistische Schläger verletzten die beiden massiv. Keiner der Fahrgäste griff ein!
Es ist schon der zweite Fall innerhalb eines Monats. Erst Anfang Mai, hatten drei Unbekannte in Pieschen, einen Türken an einer Haltestelle zusammengeschlagen und schwer verletzt.
Schockierend ist, dass solche Übergriffe im öffentlichen Raum geschehen, ohne das Bürgerinnen und Bürger eingreifen und helfen.
Bürger.Courage ruft die Dresdnerinnen und Dresdner dazu auf, mehr Zivilcourage zu zeigen!
Am 26. April 2007 feierte Bürger.Courage sein zweijähriges Bestehen. Als Geschenk gab es eine neue Website, für die wir uns auch bei der Firma »Netzproductions – Agentur für neue Medien« bedanken.
Unsere neugestaltete Website bietet detaillierte Informationen zu geplanten und abgeschlossenen Projekten.
Außerdem haben wir den Pressebereich ausgebaut: Pressemitteilungen und Pressematerial sind direkt abrufbar. In Kürze wird auch ein Pressespiegel online gestellt.
Wer regelmäßig Informationen über Bürger.Courage und aktuelle Projekte beziehen möchte, kann dies nun in Form eines Newsletterabos tun.
Für das gesponserte Content Management System und die Systemadministration bedanken wir uns bei der Firma »Netzproductions – Agentur für neue Medien« www.netzproductions.de.