Die satirische Kunstaktion »Separation« führte Bürger.Courage 2006 vor dem Dresdner Fürstenzug durch.
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70 Jahre Reichspogromnacht - Wehret den Anfängen!


Hintergrund

Während der Zeit des Nationalsozialismus  in den Jahren 1933-1945 wurden die über 4.000 jüdischen Dresdner terrorisiert, deportiert und umgebracht. Bei Kriegsende lebten nur noch etwa 100 in der Stadt.

In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 hatten SA-Truppen die von Gottfried Semper in Dresden erbaute Synagoge angezündet. Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden zerstört und geplündert. Jüdische Menschen öffentlich zur Schau gestellt und misshandelt. Es folgten Massenverhaftungen und Deportationen. Aber fast alle Bürger der Stadt blieben gegenüber den Misshandlungen und Morden an ihren Nachbarn gleichgültig und untätig.

Im Jahr 2008 werden in Deutschland jüdische Friedhöfe und KZ-Gedenkstätten geschändet. Menschen werden von "neuen" Nazis bedroht, geschlagen und umgebracht. Seit 1990 zählt Deutschland bereits 140 Todesopfer rechter Gewalt.  Eines der ersten Opfer war der Dresdner Jorge Gomondai. Mit der NPD sitzt eine rechtsextreme Partei im Sächsischen Landtag, die mit verurteilten Gewalttätern gemeinsame Sache macht. 


Projektbeschreibung

Das Ziel war es, den  70. Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938 zum Anlass zu nehmen, um die Dresdner Bevölkerung durch einen begehbaren "Schilderwald" an der Elbe auf die aktuelle Bedrohung und Gewalt von Rechts aufmerksam zu machen. Auf den einzelnen Stehlen wurden exemplarich die rechtsextremen Vorkommnisse seit 2007 allein in Dresden -darunter sowohl Propagandadelikte, als auch Brandanschläge und Gewalttaten, dokumentiert. Natürlich sind andere Regionen Sachsens und Deutschlands weitaus schlimmer mit rechtsextremer Gewalt konfrontiert. Dennoch ist auch Dresden ein trauriges Beispiel für die Vielzahl von rechtextrem motivierten Taten, die allein in einem Jahr, zwischen 2007 und 2008, in der sächsischen Landeshauptstadt verübt wurden. Trotzdem nahmen die meisten Menschen in unserer sog. Kulturstadt keine Notiz davon.




Doch wie kann man sich den "Schilderwald" vorstellen?

Jedes Schild hatte eine Größe von 30cm x 180cm und wurde jeweils mit einem langen Holzpflock im Boden befestigt. Dabei waren die Schilder wie ein großer Keil angeordnet, der in die Stadt ragte und somit die alarmierende Ausbreitung des Rechtsextremismus symbolisierte. Im Ganzen gesehen, gingen die einzelnen Taten wegen der schieren Menge beinahe unter. Erst bei näherem betrachten des jeweiligen Schildes wurden einem die unfassbaren rassistischen und fremdenfeindlichen Vorfälle in Dresden (wieder) bewusst.
Während die Installation am Tag der Reichspogromnacht selbst, dem 9. November, mit Scheinwerfern ausgeleuchtet wurde, so dass jede rechtsextremistische Tat lange Schatten auf die Elbwiesen warf, wurden sie den Rest der Woche bewusst unbeleuchtet gelassen. Denn in gleicher Weise bleiben Anzahl und Ausmaß rechtsextremer Vorfälle oft im Dunkeln und finden höchstens in Sonntagsreden sporadische Erwähnung.
Bürger.Courage appelliert daher an die Verantwortung jedes Einzelnen, sich gegen rechtsextreme Ideologie und Gewalt einzusetzen. Wehret den Anfängen!

 

 


Zusammenarbeit mit Ch. Links und RAA Sachsen

Der Ch. Links Verlag hat das Buch "Dresden 1933-1945 / Der historische Reiseführer" von Hartmut Ellrich herausgegeben. Für unser Projekt stellte uns der Verlag diverse Fotografien zur Verfügung. Auch inhaltlich hat uns dieses Buch sehr  weitergeholfen. Vielen Dank!
Informationen zum Buch

Die RAA Sachsen berät und unterstützt Betroffene rechter Gewalt und deren Angehörige. Sie fungierte als Partnerin bei der Recherche von aktuellen Übergriffen, Propagandadelikten und Veranstaltungen von Rechts für die Auflistung im Schilderwald. Auch dafür: Besten Dank!

RAA Sachsen